10 einfache Tipps für mehr Gesundheit, Wohlbefinden und Leistungsfähigkeit. Teil 2: Vitamin B12

Im letzten Beitrag haben wir uns mit Vitamin D beschäftigt. Bevor es um Tipps in Bezug auf tatsächliches Essen und Lebensmittel geht, möchte ich in Teil 2 nochmal den Fokus auf das zweite sehr wichtige Nahrungsergänzungsmittel richten, welches ich in einer veganen (aber auch in vielen anderen Ernährungsformen und Lebensweisen) empfehle. Um kaum ein anderes Thema wird in Bezug auf die vegane Ernährung kontroverser diskutiert, als über das Thema Vitamin B12. Vegankritiker werfen ein, dass eine vegane Ernährung gar nicht natürlich und gesund sein kann, wenn man ein Vitamin supplementieren muss und verweisen auf grenzwertige und aus dem Zusammenhang gerissene Berichte aus den Medien, in denen vegane Ernährung in ein schlechtes Licht gerückt wird.

Gemüse

Dadurch herrscht unter vielen vegan lebenden Menschen Unklarheit darüber, ob sie denn nun mit einer veganen Ernährung das richtige für ihre Gesundheit tun und ob sie gewisse Vitamine ergänzen müssen. Die erste Frage kann ich als Ernährungsberater ganz klar mit „JA“ beantworten. Eine vegane Ernährung ist in jeder Lebensphase bedarfsdeckend und geht mit vielen gesundheitlichen Vorteilen einher. Dies hat die größte Ernährungsgesellschaft der Welt(1) schon 2003 festgestellt und wurde seitdem von zahlreichen anderen Gesellschaften unterstrichen.

Die zweite Frage nach der Notwendigkeit einer Supplementierung lässt sich dabei nicht ganz so einfach beantworten. Fakt ist, dass uns eine vegane Ernährung im Grunde genommen mit allen notwendigen Nährstoffen versorgen würde. Allerdings haben unsere veränderten Lebens- und Umweltbedingungen dazu geführt, dass eine Vielzahl an Menschen einzelne Nährstoffe unter gewissen Umständen nicht immer ausreichend bekommt. Sei es aufgrund von falschem Anbau der Lebensmittel, falscher Verarbeitung, eingeschränkter Verfügbarkeit oder fehlender Eigensynthese. Wie es dabei um Vitamin B12 – auch Cobalamin genannt – steht, möchte ich nachfolgend beleuchten.

Wo kommt Vitamin B12 vor?

Vitamin B12 kommt vorwiegend in tierischen Lebensmitteln wie Fisch, Fleisch, Eiern, Milch und Milchprodukten vor. Vitamin B12 ist aber kein eigentlicher Bestandteil dieser Nahrungsmittel, sondern wird von Bakterien gebildet, die Nutztiere über die Nahrungskette aufnehmen und sich so in ihrem Gewebe (und in ihrer Milch bzw. Eiern) akkumulieren. Im Darm von Wiederkäuer gibt es diese Art von Bakterien auch, wodurch diese sich – unter den richtigen Bedingungen – quasi selbst mit Vitamin B12 versorgen können. Theoretisch können diese Bakterien also auch auf allen „naturbelassenen“ pflanzlichen Lebensmitteln gefunden werden. Dies ist allerdings nach meinem aktuellen Kenntnisstand eine unsichere Quelle. Da Nutztiere heutzutage aber – und hier gibt es eine große Parallele zu uns Menschen – in einer unnatürlichen Umgebung ohne Futter aus der freien Natur mit jenen Mikroorganismen leben, wird auch in der industriellen Tierhaltung Vitamin B12 in vielen Fällen künstlich zugeführt. Sozusagen supplementieren also auch die meisten Fleischkonsumenten Vitamin B12 über den Umweg des Tiers, wenn sie konventionelles Fleisch verzehren.

Die weit verbreitete Meinung in der Ernährungswissenschaft ist daher, dass lediglich tierische Produkte verwertbares Vitamin B12 in ausreichender Menge enthalten, da sich in Proben der meisten pflanzlichen Lebensmittel entweder gar kein B12 oder lediglich ähnliche chemische Verbindungen fanden, die als Analoga bezeichnet werden. Auch diese werden von Mikroorganismen gebildet, haben jedoch keine Vitaminfunktion für den Menschen und blockieren im schlechtesten Falle sogar die Absorption des aktiven B12 aus anderen Quellen. Immer wieder tauchen allerdings auch seriöse Ergebnisse auf, die einer gewissen Art von pflanzlichen Lebensmitteln einen signifikanten Gehalt an für den Körper verfügbaren B12 bescheinigt – dazu später mehr.

B12 Tabletten

Vitamin B12 als Tablette?

Neben der absolut enthaltenen Menge an B12 im Lebensmittel ist auch die Aufnahmefähigkeit des Körpers von großer Bedeutung. Diese führt bei bestimmten Gruppen innerhalb der Bevölkerung zu B12 Mängel trotz ausreichender Zufuhr. Entzündliche Erkrankungen im Darmtrakt vermindern so beispielsweise die Aufnahme stark. Gemindert wird sie darüber hinaus durch gewisse Medikamente, Alkohol und die Gerbsäure im Kaffee. Außerdem nimmt die Fähigkeit der körpereigenen B12 Aufnahme im Alter tendenziell ab. Auch durch Erhitzen wird B12 in Lebensmitteln zum Teil zerstört.

Daher wird in vielen Fällen zu einem Nahrungsergänzungsmittel mit B12 geraten. Dieses wird in verschiedenen Formen dargeboten. Die weit verbreitetsten sind Cyanocobalamin (vor allem als Zusatz in Nahrungsmitteln) und Methylcoabalmin. Obwohl Cyanocobalamin die synthetische Form von B12 ist und erst im Körper in die aktive Form umgewandelt werden muss, sind mir bis heute keine aussagekräftigen Studien bekannt, die Methylcobalamin als natürliche (und aktive Form) von B12 einen eindeutigen Vorteil attestieren. Nichtsdestotrotz empfehle ich zum jetzigen Zeitpunkt sicherheitshalber Methylcobalmin, sehe aber (noch) keinen konkreten Hinweis darauf, dass Cyanocobalamin nachteilig wäre.

Welchen Bedarf haben wir?

Der tägliche Bedarf an Vitamin B12 ist verschwindend gering, ein Mangel ist jedoch schwerwiegend. Für Erwachsene und Jugendliche ab 15 Jahren wird eine Vitamin B12-Zufuhr von 3 Mikrogramm (µg) pro Tag laut D-A-CH-Referenzwerten empfohlen. Andere Studien(2) kommen jedoch zu dem Ergebnis, dass eine Zufuhr von 6-10 Mikrogramm pro Tag die optimale Zufuhr darstellt. Schwangere, Stillende und Senioren haben in beiden Fällen einen erhöhten Bedarf. Besonders schwangere Veganerinnen müssen ihren B-12-Spiegel im Blick haben, denn ein Mangel kann zu schwerwiegenden und irreversiblen Schäden beim ungeborenen Kind führen.

Da der Körper nicht die gesamte Menge an B12 bei jeder Gabe aufnehmen kann, sind die meisten B12 Präparate wesentlich höher dosiert, als der tägliche Bedarf ist. Denn pro Einnahme können nur ungefähr 2 Mikrogramm aktiv resorbiert werden. Bei sehr hohen Dosen wird eine weitere kleine Menge (ca 1-3 % der Gesamtmenge) passiv resorbiert.

Die wichtigsten Mangelsymptome bei einer Unterversorgung sind verschiedene Formen neurologischer Störungen wie Gefühlsstörungen, Gangunsicherheit, Nervenleitungsstörungen, nachlassende kognitive Fähigkeiten, Depressionen und reduzierte Konzentrationsfähigkeit. Weitere relativ unspezifische Symptome eines Vitamin-B12-Mangels können Müdigkeit, Schwäche und  eine herabgesetzte Leistungsfähigkeit sein.

Welchen Test sollten wir durchführen?

Aufgrund der großen Körperspeicher kann es Jahre dauern, bis sich gravierende Symptome eines Vitamin-B12-Mangels zeigen. Der Versorgungszustand mit Vitamin B12 lässt sich jedoch frühzeitig anhand von Blutanalysen bestimmen, um es gar nicht erst so weit kommen zu lassen. Dabei sollten verschiedene Parameter untersucht werden, weil die alleinige Bestimmung des Vitamin-B12-Gehalts im Blut nicht geeignet ist, um den Versorgungszustand sicher zu beurteilen.

Vitamin B12 ist im menschlichen Körper unter anderem am Abbau der Aminosäure Homocystein sowie an der Umwandlung von Methylmalonsäure beteiligt. Bei einem Mangel an Vitamin B12 können diese nicht ausreichend abgebaut bzw. umgewandelt werden und es kommt zu einer erhöhten Konzentration dieser Stoffe Blut. Daher geben diese Messwerte sehr gute Auskunft über den B12-Status im Organismus.

Empfehlenswert ist es, einmal jährlich mittels eines Bluttests die Werte von Serum-Vitamin-B12, Holo-Transcobalamin (Holo-TC, aktives B12), Homocystein und Methylmalonsäure (MMA) untersuchen zu lassen. Die kombinierte Bestimmung dieser vier Blutwerte ermöglicht eine zuverlässige Einschätzung der Vitamin B12-Versorgung, denn das Serum-Vitamin B12 alleine ist nicht aussagekräftig genug. Ergänzend sei erwähnt, dass ein erhöhter Homocysteinwert bei gleichzeitig normalem MMA-Wert wahrscheinlicher auf einen Folsäure- als auf einen Vitamin-B12-Mangel schließen lässt. Weiterführende Informationen gibt es unter www.vitaminb12.de/mangel/test.

Algen

Welche natürlichen veganen B12 Quellen gibt es?

 Abseits von tierischen Nahrungsmitteln und Supplementen ist es vor allem eine pflanzliche Lebensmittelgruppe, von der man immer wieder hört, sie würde ebenfalls Vitamin B12 in aktiver Form enthalten – Algen. Nun darf man korrekterweise bei Algen allerdings nicht von einer Gruppe sprechen, weil unterschiedliche Algenarten völlig anderen biologischen Linien angehören, schreibt Jörg Ullmann in einem überaus lesenswerten Artikel(3) in seinem Expertenblog „Die Welt der Algen“. Darin sagt er: „Wir als Menschen sind mit einem Fliegenpilz oder einem Gänseblümchen näher verwandt als die Chlorella mit der Spirulina. Deshalb können auch keine verallgemeinernden Aussagen über „Algen“ getroffen werden!“

Um den großartigen Artikel in wenigen Worten zusammenzufassen: Nein, der sehr viele Algen enthalten kein aktives Vitamin B12. Algen wie Spirulina  enthalten beispielsweise überwiegend kaum bioverfügbares B12. Dagegen scheint laut Auswertung der wissenschaftlichen Literatur durch Algenexperte Jörg Ullmann die Chlorella(4) und die Nori Alge(5) tatsächlich bioverfügbares B12 in relevanten Mengen zu enthalten. Bei der Chlorella in Abhängigkeit von der Anbaumethode und bei Nori vor allem in der frischen (weniger in der getrockneten) Alge. Weitere und vor allem klinische Untersuchungen müssen das zwar noch festigen, aber eine Tendenz ist bereits abzusehen.

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FAZIT

Ich empfehle, den eigenen B12-Spiegel einmal im Jahr kontrollieren zu lassen, um eventuellen Mängeln früh genug vorzubeugen. Die vegane Lebensweise bietet ohne Zweifel eine ganze Reihe gesundheitlicher Vorteile und ist die umweltverträglichste Ernährungsform. Man muss aber objektiverweise sagen, dass die Versorgung mit Vitamin B12 zu einer der wenigen Schwachstellen dieser Lebensweise gehört. Die von Algenexperte Jörg Ullmann zitierten Untersuchungen deuten allerdings an, dass man zukünftig die weit verbreitete Annahme, dass aktives B12 lediglich in tierischen Produkten vorhanden sei, wahrscheinlich revidieren muss. Zum jetzigen Zeitpunkt empfehle ich vegan lebenden Menschen nichtsdestotrotz die Einnahme von Vitamin B12 als Nahrungsergänzungsmittel in Tropfen oder Drageeform (zum Lutschen), um sicherzustellen, dass trotz eventuell geringer Darmaufnahmefähigkeit genügend Vitamin B12 über die Mundschleimhaut aufgenommen wird. Die tägliche Zufuhr kann optimalerweise aufgeteilt auf zwei Portionen erfolgen, um die begrenzte aktive Aufnahme pro Gabe im Darm zu verbessern. Die empfohlene Dosis ist stark vom aktuellen Versorgungsstand abhängig und sollte in Rücksprachen mit einem qualifizierten Arzt oder Ernährungsberater geklärt werden. Die Erhaltungsdosis bei gedeckter Versorgung schwankt je nach Ernährungsform und Aufnahmefähigkeit des Darms zwischen 10 – 500 Mikrogramm. Dieser große Empfehlungsspielraum ergibt sich aus den zahlreichen Einflussfaktoren der täglichen B12 Versorgung.  Bei akutem Mangel können auch Gaben in Höhe von mehreren Tausend Mikrogramm sinnvoll sein. Sorge vor einer Überdosierung muss man keine haben, weil selbst bei tausend- bis zweitausendfacher Überschreitung der empfohlenen Aufnahme laut D-A-CH keine negativen Effekte beobachtet wurden. Wie an vorhergier Stelle erwähnt, halte ich aufgrund der Studienergebnisse die Deckung des Tagesbedarf auch über Chlorella und Nori Algen für möglich, empfehle aber in diesem Fall eine unbedingte regelmäßige Messung der relevanten Marker für die optimale B12-Versorgung.

Anmerkung: Die hier besprochenen Werte und Empfehlungen gelten als Präventivmaßnahmen zur Vorbeugung von Erkrankungen. Die Zufuhrempfehlung kann bei erkrankten Personen variieren. Ebenso gilt diese Empfehlung lediglich für Erwachsene Menschen. Der Bedarf von Schwangeren, Stillenden, Kindern und Senioren kann davon abweichen. Dieser Artikel gilt als Hilfestellung und ersetzt nicht den Rat eines Arztes. Er spiegelt meinen aktuellen Kenntnisstand nach bestem Wissen und Gewissen wider. Nichtsdestotrotz befindet sich sowohl die Wissenschaft generell, als auch mein persönlicher Wissensstand in einer kontinuierlichen Weiterentwicklung, sodass nicht auszuschließen ist, dass sich die hier besprochenen Werte und Empfehlungen zukünftig ändern können.

Quellen:

(1) http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/12778049

(2) http://ajcn.nutrition.org/content/89/4/1078.full.pdf

(3) http://bit.ly/27Rkf60

(4) http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/12656203

(5) http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4042564/

 

Foodmatic

 

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