Heute wieder ein spannender Reisebericht von Bettina, die seit November 2013 auf Weltreise ist, und uns immer wieder mit tollen Eindrücken und Bildern versorgt. 

Ich war bisher noch nie vegan wandern. Jedenfalls keine Touren, die mehrere Tage dauern. Die Vegan-Veteranen dürfen gerne ein Mal gähnen: Vegan und Sport? Kein Problem. Kalter Kaffee. Eine kleine Internetrecherche hat allerdings ergeben, dass man zu dem Thema gar nicht mal so viel Info findet. Was soll man essen, wenn man über den normalen Alltag hinaus verbrennt und rumsportelt?

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Zum Frühstück gab es früher auf längeren Tracks bei mir Müsli mit Milch aus Milchpulver und Wasser, über den Tag hin Kekse oder ähnliches, abends dann Nudeln oder Couscous mit irgendeiner Fertigsaucenmischung. Insgesamt viel Fertigkram mit dem entsprechenden Kleingedruckten, auf das man früher halt nicht so sehr geachtet hat. An sich sind das alles für den Alltag keine großen Probleme. Fertigprodukte lassen sich zumindest in meinem Leben relativ gut vermeiden. Für mehrtägige Wanderungen stellen sich allerdings noch zusätzliche Herausforderungen was übrigbleibenden Müll und Gewicht der Mahlzeiten angeht.

Kurz zu den Wanderungen, die ich in Neuseeland unternommen habe:

Der Kepler Track, im Westen der Südinsel Neuseelands, 4 Tage. Abel Tasman Costal Track im Norden der Südinsel, 3 Tage. Wanganui River Tour im Kanu, 3 Tage. Dazu noch ein paar Tagestouren sowohl auf der Süd- wie auch auf der Nordinsel.

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Erstes Problem: Schuhkauf

Als erstes Problem hat sich schon zu Hause der Schuhkauf herausgestellt. Meine alten, unveganen Wanderschuhe haben nach 10 Jahren ihren Geist aufgegeben und ich habe versucht, neue vegane Schuhe zu bekommen. Trotz Internetrecherche, wirklich guter Beratung im Outdoorladen und einigen E-Mail-Anfragen meinerseits an die Hersteller von Wanderschuhen, mit denen ich bisher gute Erfahrung gemacht habe, habe ich nur ein einziges veganes Wanderschuhpaar gefunden (Salewa). Leider war die Sohle für die Strecken, die ich wandere, zu flexibel. Ich habe zwar im Laden gehört, dass jemand damit einen Teil des Jakobswegs gewandert ist und keine Probleme hatte, als ich allerdings die Art „Weg“ (oder auch kein Weg) beschrieben habe, die ich vor Neuseeland gewandert bin, bin ich doch wieder bei einer neueren Version meiner alten, unveganen Schuhe gelandet. Sehr schade und im Nachhinein ärgert es mich auch ein bisschen, denn alle Wanderwege, die ich in Neuseeland gesehen habe, waren so gut ausgebaut, dass auch ein weniger robuster Schuh mit Sicherheit geeignet gewesen wäre. Und weil mich das so geärgert hat, habe ich für den nächsten Wanderwütigen, der das hier vielleicht liest, noch eine Produktanfrage an den Schuhhersteller Salewa geschickt. Die 3 (!) Modelle Firetail, Wildfire und Firevent sind vegan.

Ansprüche an die Verpflegung

Neben den Schuhen bleibt noch das Problem mit der Verpflegung. An diese stellen sich im Wesentlichen 4 generelle praktische Ansprüche:

  1. Sie muss leicht sein, also möglichst wenig Wasser enthalten.
  2. Sie muss kompakt und robust sein, also möglichst wenig Luft enthalten und sie sollte nicht kaputtgehen, wenn sie beim Packen/Entpacken des Rucksacks mal ein bisschen gedrückt und gequetscht wird.
  3. Sie muss energiereich sein, also möglichst viel Kohlenhydrate und gerne auch ein bisschen mehr Fett enthalten, als man so im Alltag anpeilt.
  4. Sie muss so verpackt sein, dass sie möglichst wenig Müll erzeugt. Also zum Beispiel keine Dosen. Auf den Wegen gibt es meist keine Möglichkeit, seinen Müll zu entsorgen. Nach ein paar Tagen wird einem doch recht deutlich bewusst, wie viel Müll man so erzeugt. Vielleicht mal eine ganz gut Anregung, darüber generell für sich nachzudenken.

Optimal sind für Frühstück und Abendbrot Mahlzeiten, die man mit Wasser aufgießen kann und für Mittags und Zwischenmahlzeiten Dinge, die man sich beim Wandern ohne großen Aufwand in den Mund stecken kann. Ich habe es häufig genug erlebt, dass das Wetter beim Wandern so schlecht war, dass ich während einer längeren Pause einfach zu sehr ausgekühlt wäre, oder dass man keinen geeigneten Platz für eine Pause findet. Für solche Fälle möchte man sich nicht damit abmühen, sich ein Brot schmieren zu müssen.

Als zusätzlichen Anspruch habe ich jetzt also noch, dass das komplette Essen vegan sein sollte und ich hätte auch gerne, dass es noch irgendwie gut schmeckt, so rein für die seelisch-moralische Unterstützung ;-)

Gesamte Wanderung vegan – ist das möglich?

Das Hauptproblem ist, dass ich im Alltag die meisten Dinge selbst zubereite und mich jetzt in einem völlig unbekannten Angebot an Fertigprodukten zurechtfinden muss. Als ich meinem Freund erzählt habe, dass ich diesmal die gesamten Wanderungen vegan machen möchte, hat er nur den Kopf geschüttelt und gemeint, dass das einfach nicht geht. Aber: Geht doch! Und es ist echt nicht sooo schwer.

Im Endeffekt habe ich mich zum Frühstück für Vollkorn-Couscous entschieden, den ich mit kochendem Wasser aufgegossen habe und in den ich etwas Zucker, Rosinen und Nüsse gerührt habe. Für mittags hatten wir Pumpernickel (findet man im neuseeländischen Supermarkt in der Nähe der Wraps), Knäckebrot (gilt in Neuseeland anscheinend nicht als Brot und steht im Supermarkt neben den Crackern) und für die ersten Tage noch eins der typischen weichen Vollkornbrote eingepackt. Leider sind bei diesen weichen Broten nicht alle Sorten vegan und die Brote schimmeln relativ schnell, also leider nicht wirklich zu empfehlen. Als Brotbelag gab es Tomatenmark und Salatgurke.

Für zwischendurch hatten wir es mengenmäßig vielleicht etwas übertrieben, aber nachdem ich auf meiner allerersten Wanderung in Schweden viel zu wenig Essen eingeplant hatte (man verbraucht einfach mehr Kalorien, wenn man den ganzen Tag wandert oder im Kanu paddelt als wenn man im Büro vorm Computer sitzt.), packe ich seitdem lieber ein T-Shirt wieder aus und dafür eine Packung Nüsse mehr ein. Ich rieche lieber schlecht als Hunger zu haben. Also hatten wir als Zwischenmahlzeiten Nüsse, Trockenfrüchte, Müsliriegel, Äpfel und jede Menge dunkle Schokolade (Whittaker 72%! Hat zumindest mir sehr gut geschmeckt, ist vegan und auch noch fair gehandelt).

Nüsse und Trockenfrüchte kann man sich in vielen neuseeländischen Supermärkten in einzelne Tüten abfüllen und nach Gewicht bezahlen. Wenn es diese Möglichkeit nicht gibt, wird man auch bei den Backzutaten oder bei den Müslis fündig. Viele der Müsliriegel hier enthalten Milchpulver oder Milchbestandteile und erinnern von der Konsistenz her eher an einen Keks als an das, was ich so unter Müsliriegel verstehe. Was ich stattdessen entdeckt habe, sind „Nutbars“ von der Firma „Quaker“. Die gibt es in verschiedenen Sorten. Nuss, Beere und Aprikose sind vegan, wobei ich dazu sagen muss, dass ich Beere und Aprikose so künstlich im Gechmack fand, dass ich sie nicht nochmal kaufen würde. Aber jedem das seine.

Für abends haben wir Vollkornnudeln, Polenta, rote Linsen und Reis mitgenommen. In größeren neuseeländischen Supermärkten gibt es ein Regal mit internationalem Essen. Da kann man einige Dinge finden, die man auch von zu Hause kennt, auch wenn sie natürlich nicht unbedingt typisch deutsch sein müssen.

Die Saucenvarianten unserer bisherigen Wandertouren haben sich alle sehr schnell als nicht vegan herausgestellt. Selbst die frischen Kräuterpasten, die man in Tuben im Gemüseregal vieler größerer Supermärkte finden kann, enthalten Milchbestandteile. Im Regal bei den Fertigprodukten haben wir dann mehrere Currypasten in kleinen Tüten gefunden und Beutel mit Cocosmilchpulver, das man mit Wasser anrühren kann.

Fazit

Insgesamt hatten wir so wenig Müll wie wohl noch auf keiner Tour vorher. Wir hatten zu viel Essen mit, aber das war ja mit Ansage und ich habe, wie auf eigentlich jeder Tour, frisches Gemüse vermisst. Vegan wandern geht offensichtlich und ist nicht so schwer, wie am Anfang befürchtet, auch wenn der Einkauf im fremden Supermarkt vielleicht etwas länger dauert, als er zu Hause dauern würde. Dazu noch ein Tipp: Niemals ohne Pulli in einen großen, neuseeländischen Supermarkt gehen! Egal wie warm oder kalt es draußen ist, die Klimaanlage im Laden wird an sein.

 

Wer schreibt denn hier?

BettinaBettina liebt Reisen, Kochen und Bücher! Sie lebt seit etwa 2005 vegetarisch und seit 2011 vegan. 2008 ist sie durch Australien gereist. Im  November 2013 ist sie zu einer langersehnten Weltreise aufgebrochen, über deren Eindrücke sie auch in ihrem Blog listeningtothetravelbugstune.wordpress.com berichtet. Vor der Weltreise hat sie am veganen Backbuch „Vegan rockt! – Das Backbuch“ der Edition Lempertz mitgearbeitet, welches im November 2013 erschienen ist.