Wie geht Ayurveda vegan? Wir geben euch einen kleinen Einblick ins vegayurvedische Universum. Wir möchten euch typgerechte vegane Lebensmittel zu jedem Dosha-Typ empfehlen und euch dieses zeitlose Gesundheitskonzept vorstellen. Dazu haben wir tolle vegane Rezepte vorbereitet. Auf geht’s!

Ayurveda – ein Universum für sich

Der Ayurveda ist ein seit über 2000 Jahre bewährtes ganzheitliches Gesundheitssystem aus Indien. Es vermittelt wortwörtlich das „Wissen vom (guten) Leben“. Das Ayurvedauniversum umfasst Leitsätze zur gesunden Lebensführung für Körper, Geist und Seele. Durch geeignete Pflanzenheilkunde, angepasste Ernährung, ausreichend Bewegung und achtsames Verhalten will der Ayurveda ein langes,  gesundes Lebens ermöglichen. Das ursprüngliche System beinhaltete auch Chirurgie, Frauenheilkunde, HNO, Psychoheilkunde uvm. Anwendung findet der Ayurveda heutzutage v.a. im Bereich der inneren Medizin, also bei chronischen oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Arthritis, Haut- und Nervenkrankheiten. Oft wird der Ayurveda auch im Wellnessbereich (Massage) genutzt. Hier vorrangig in der verjüngende Therapie (Rasayana, Prävention) oder im Bereich der Aphrodisiaka (Förderung der Fruchtbarkeit z.B. bei Kinderwunsch).

Die alles-steuernde Prinzipien im Körper

Der Ayurveda ist keine Schlüssel-Schloss-Medizin. Vielmehr versteht sich Ayurveda als „milieu-bezogen“ und umfassend, anstatt Wirkstoff-Krankheit bezogen wie in der konventionellen Medizin. Das heißt, innere körperliche Milieus sollen ganzheitlich wieder in Balance gebracht werden, sodass gesunde Lebensprozesse von selbst ablaufen können. Selbstheilungskräfte werden damit in Gang gesetzt und unterstützt. Die sogenannten Dosas spielen dabei in unseren Körpern als steuernde Prinzipien eine wichtige Rolle. Unsere Dosas beeinflussen als funktionelle Bio-Katalysatoren Vorgänge im Körper wie Stoffwechsel, Informationsweiterleitung über Nerven oder Zellteilung. Sie bestimmen außerdem unser Aussehen, den Charakter und die Krankheitsanfälligkeit.

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Vegane Heilkräuter und Gewürze im Ayurveda

Dosas und die Grundlage der allopathischen Denkweise

Die Dosas werden in Vata, Pitta und Kapha unterschieden. Sie sind ursprünglich von den 5 Grundelementen Äther, Luft, Feuer, Wasser und Erde abgeleitet. Alle drei Dosas sind bei Menschen zu unterschiedlichen Anteilen vorhanden. Vata (Luft, Äther) ist für alle Bewegungsabläufe, für den Transport und Abbau von Stoffen verantwortlich. Pitta (Feuer, Wasser) ist das metabolische oder thermische Prinzip. Es wandelt also um und ist für die Verdauung von Nahrung verantwortlich. Kapha (Erde, Wasser) ist das aufbauende Prinzip, es gibt Struktur, Stabilität und Schutz. Soweit so gut. Nun wird alles im Ayurveda durch bestimmte Eigenschaften beschrieben. Ein Sodbrennen kann z.B. sauer und heiß sein, eine Haut kann glatt und fest sein oder eine Pflanze scharf und ölig. Ayurveda ist ein allopathisches Medizinsystem, das heißt: Gegensätze heilen. Wenn also eine Erkältung kalt, schleimig und süß ist, würde der Ayurveda empfehlen: eher warmes, bitteres und trockenes bevorzugen.

Gesundheit heißt: im Selbst stehen

Gesundheit, in Sanskrit „svasthya“, bedeutet so viel wie „im Selbst stehen“. Der Ayurveda gibt Menschen viel Selbstwirksamkeit durch die Vermittlung des Wissens über den Respekt vor der eigenen individuellen Natur und Umwelt. Die Samkhya-Philosophie, aus welcher der Ayurveda kommt, vertritt außerdem  das „ahimsa“-Konzept (Gewaltfreiheit). Demnach umfasst ein Großteil der Ernährung im Ayurveda vegetarische Lebensmittel. Eine rein vegane Auswahl für jeden Typ haben wir für euch weiter unten getroffen.

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Ayurveda und innere Balance

Jeder verdaut anders

Grundlage für Gesundheit ist ein gesundes und kräftiges Agni, das „Verdauungsfeuer“. Das Agni verwandelt als nicht-materielle Schaltstelle alles, was an Stoffen „reinkommt“, in unsere körpereigenen Zellen. Neben einem guten Verdauungsfeuer ist im Ayurveda Rücksicht auf die individuelle ursprüngliche eigene „Natur“ notwendig. Denn die o.g. Dosas liegen in jedem Menschen zu unterschiedlichen Anteilen vor und prägen uns. Ein hagerer, feingliedriger Mensch mit Sinn für Ästhetik mag mehr Vata-Anteile haben. Ein leidenschaftlicher, ehrgeiziger, athletischer Typ mehr Pitta. Weiter hätten robuste, stabile, ruhigere, ausdauernde Menschen größere Kapha Anteile. Für all unsere Lebensabläufe benötigen wir aber alle drei Dosas. Es gibt hier also kein besser oder schlechter. Der jeweilige Dosa-Cocktail eines Menschen ist einzigartig und die Mischung macht die Individualität eines jeden aus. Unser Verdauungsfeuer können wir dann durch eine typgerechte Ernährung pflegen.

 

Vegane Ayurveda-Empfehlungen für jeden Typ

Ayurveda beurteilt Lebensmittel nicht grundsätzlich als gesund oder ungesund. Es geht immer um die objektive Frage: wie wirken bestimmte Lebensmittel mit ihren Eigenschaften auf ein Milieu. Ein Pitta-Typ verträgt z.B. mehr Rohkost und Rohkost ist nicht an und für sich gut oder schlecht. Die Empfehlungen sind also sehr gemäßigt und individuell auf die Typen und deren Gesundheits- und Umweltsituation angepasst.

Im Folgenden wollen wir euch nun für alle Typen kurz vorstellen und euch geeignete vegane Lebensmittel dazu empfehlen.

Vata

Vata-dominierte Menschen erkennt man an einer feingliedrigen zierlichen Gestalt (mal sehr groß, mal sehr klein). Sie neigen zu trockener Haut, Unruhe, sind oft sensibel in ihrem Gefühlsleben und sehr kreativ und sprudelnd. Sie sind von dem Dosa gesteuert, das für alle abbauenden und sich bewegenden Prozesse verantwortlich ist. Dies betrifft die Nervenbahnen und alle Körperteile vom Nabel abwärts.  Grundsätzlich empfiehlt sich für Vata-Menschen bei der Ernährung auf süße, warme und leicht verdauliche Lebensmittel zu achten. Dies wirkt der Dosa-eigenen Kälte, Feinstofflichkeit und Rauheit entgegen.

Vegane Produkte für den Vata-Typ

  • Kürbis, rote Beete, Karotten, Kartoffeln und alle Wurzelgemüse
  • Süße Früchte wie Banane oder Trauben
  • Sesamöl
  • Seidentofu, Tofu, Mungbohnen
  • Mandeln, Cashewnüsse, Marzipan
  • Süßholztee, Gewürztee, warmes Wasser
  • Gewürze wie Koriander, Kreuzkümmel, Fenchel

Cave: Salat/Rohkost, zu viele Hülsenfrüchte, Unregelmäßigkeit

Das perfekte Rezept für den Vata-Typ: Kürbis-Tarte mit Schoko-Nuss-Boden

Ayuverda

Pitta

Pitta-Menschen erscheinen oft leidenschaftlich, feurig und zielstrebig. Oft haben sie strahlende Augen und einen athletischen, mittleren Körperbau. Sie neigen zu unreiner Haut, Wut, Magenproblemen und haben oft Interesse an (sportlichen) Wettkämpfen. Das Pitta-Prinzip steuert Umwandlungsprozesse und ist die wärmeerzeugende Kraft im Körper. Pitta findet sich daher v.a. oberhalb des Bauchnabels bis zur Lunge, also in Magen, Bauchspeicheldrüse und Speiseröhre. Pitta-Menschen ist zu raten eher kühle, bittere und süße Lebensmittel auszuwählen um ihr heißes, scharfes, leicht-öliges Milieu zu besänftigen.

Vegane Produkte für den Pitta-Typ

  • Bittere Kräutertees
  • Gewürze wie Fenchel, Kurkuma, Koriander
  • Bittere Gemüse und Kohlsorten, z.B. Rosenkohl, Blumenkohl, sowie Zucchini, Spinat, grüne Bohnen, Brokkoli
  • Trockenfrüchte wie z.B. Mango oder Ananas,
  • Frisches süßes Obst wie frische Bananen, Melonen oder Papaya
  • Reismilch
  • Hülsenfrüchte wie alle Linsenarten, Mungbohnen u.a.

Cave: frittiertes, gesäuertes, fermentiertes oder zu scharfes Essen (Fast Food, saure Gurken), Alkohol, Rauchen

Das perfekte Rezept für den Pitta-Typ: Grünes Curry mit Mango und gerösteten Kichererbsen

Veganes Curry

Kapha

Kapha-dominierte Menschen erkennt man an einem eher robusten, kräftigen Körperbau und ihrem ruhigen, stabilen und liebevollen Gemüt. Sie sind sehr ausdauernd, geduldig, strukturiert, großzügig und treu. Sie neigen zu Übergewicht, Schwere (Faulheit), Atemwegserkrankungen und können sich lange und konzentriert mit etwas beschäftigen. Das Kapha-Prinzip ist verantwortlich für den Zusammenhalt, den Aufbau von Gewebe und für alle Körperstrukturen an sich. Kapha schenkt Stabilität und liegt v.a. in Lunge und Kopf vor. Da ihr Dosa eher kühl, schwer und schleimig ist, brauchen Kapha-Menschen eher leichte, bittere, trockene und scharfe Lebensmittel, um dies auszugleichen.

Vegane Produkte für den Kapha-Typ

  • Gerste oder „alter“ (1 Jahr gelagerter) Reis
  • Mungbohnen
  • Kohlsorte, z.B. Rosenkohl, Spinat, grüne Bohnen, grüne Paprika
  • Papaya
  • Alle scharfen, anregenden Gewürze, u.a. Bockshornklee, Pfeffer, Chili, Kreuzkümmel, Kurkuma
  • Ingwertee

Cave: zu süße, kalte, schwere oder ölige Lebensmittel wie vegane Sahne, Kokosmilch, Kuchen, veganer Käse etc.

Das perfekte Rezept für den Kapha-Typ: Schichtsalat mit Gewürz-Dressing

Ayuverdische Rezepte

Tipps zum Weiterlesen und Weiteressen

Nicht nur körperlich verbiegen, sondern auch mal schön Gymnastik im Mund gefällig? Leckere Rezepte aus ayurvedischer Küche für den veganen Yogis unter euch gibt es hier: „Das Yoga-Kochbuch: Ayurveda – Rohkost – Vollwert – vegan – vegetarisch“ von Udo Einenkel.

Oder zu faul zum Kochen und lieber mal ayurvedisch essen gehen? Im Govindam in Köln gibt es leckere vegane Ayurveda-Küche.

 

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