Stark verarbeitete Lebensmittel, die mit großen Mengen Salz, Geschmacksverstärkern, Farb-, Aroma- und Konservierungsstoffen gestreckt werden, geraten (zu Recht) immer mehr in Verruf. Ganz abgesehen von den vielen Zusatzstoffen sind solche „processed foods“ auch aufgrund der meist mangelhaften Nährwertbilanz auf Dauer nicht besonders förderlich für die Gesundheit. Der Trend geht daher immer mehr zurück zu den sprich- und wortwörtlichen Wurzeln, nämlich zu Nahrungsmitteln in ihrer ursprünglichsten Form, roh, bio und möglichst frisch. Waren Rohköstler bis vor einigen Jahren fast noch größere Exoten als Veganer, so trifft man sie heute immer häufiger. In Cafes, auf Blogs und quer durch die Social Media Plattformen zeigen geübte Rohkostköche dem staunenden Besucher die bunte Vielfältigkeit dieser Lebensweise, die, wie auch Patrick und Sonja diesen Monat beweisen, mehr ist als labberiger Salat mit Körnern.

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Rohe Lebensmittel sind knackig, farbenfroh und voller Vitamine, die normalerweise während des Garvorgangs verlorengehen. Der Verzehr von rohem Gemüse und Obst hilft dem Körper beim Entschlacken und Regenerieren und viele Anhänger der rohköstlichen Lebensweise berichten von neugewonnener Vitalität, Verjüngungseffekten und besserer Gesundheit.

Doch mit der Rohkost ist es ähnlich wie mit der veganen Ernährung: ohne Anleitung von 0 auf 100 einzusteigen, kann Nährstoffmängel durch monotone Nahrungsaufnahme nach sich ziehen und damit längerfristig eher gesundheitsschädlich als -förderlich sein. Es empfiehlt sich daher, sich vorab ein paar gute Ratgeber zu besorgen, sollte man sich mit dem Gedanken an mehr Rohkost auf dem Teller tragen.Rohkost Buch Becoming raw

Rohkost für Anfänger und Fortgeschrittene

Eins dieser wirklich sehr empfehlenswerten Bücher ist Becoming Raw, geschrieben von zwei Ernährungswissenschaftlerinnen, Brenda Davis und Vesanto Melina. Auf knapp über 300 Textseiten informieren die Autorinnen sehr ausführlich über alles, was man als Einsteiger und Fortgeschrittener über eine rohvegane Lebensweise wissen muss. Nicht umsonst wird das Werk im Untertitel als The Essential Guide to Raw Vegan Diets gepriesen.

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Bevor es an die ernährungsphysiologischen Besonderheiten der Rohkosternährung geht, stehen die Vorteile einer solchen Lebensweise im Vordergrund. Anschließend gibt es einen recht umfangreichen, aber sehr interessanten Abriss über die Entwicklungsgeschichte der Raw-Food Bewegung, allerdings nur in den USA, sowie eine Zusammenfassung der wichtigsten wissenschaftlichen Studien zur positiven Wirkung von Rohkost, v.a. im Zusammenhang mit den absoluten Klassikern der modernen Zivilisationskrankheiten (Diabetes, Herzerkrankungen, Fettleibigkeit und Osteoporose).

Mit „Why Raw Rocks!“ geht es dann ans sprichwörtliche Eingemachte, nämlich an Aufbau und Wirkungsweise der chemischen Komponenten in ungekochter und unverarbeiteter pflanzlicher Nahrung. Und plötzlich wird Becoming Raw zum Chemiebuch, das uns in lockerer Sprache, aber ohne irrwitzige Formeln und Symbole in mehreren Kapiteln von der roh gegessenen Pflanze durch den kompletten menschlichen Verdauungstrakt führt. Viele Zahlen, Grafiken und kompakte Infokästchen helfen beim Verständnis komplexer Mechanismen wie z.B. dem körpereigenen Entgiftungssystem oder der wichtigsten Fakten zum Fettsäurestoffwechsel. In myth-busting Manier erfahren wir schließlich alles Erdenkliche über Vitamine, die Säure-Basen-Balance im Körper und Enzyme in der rohveganen Ernährung. Zugegeben, Becoming Raw ist aufgrund der wissenschaftlichen Detailfülle streckenweise keineswegs ein leichter Lesespaß, aber man muss das Buch nicht von Anfang bis Ende durcharbeiten. Ein umfangreiches Glossar und ein noch umfangreicherer Index helfen bei der schnellen Suche nach den Einkaufstipps für eine ausgewogene rohvegane Ernährung, die das Buch natürlich auch in Hülle und Fülle enthält.

Kein „Koch“buch

Becoming Raw ist allerdings kein „Koch“buch für die rohvegane Küche. Trotzdem enthält das Buch ein Abschlusskapitel mit fast 50 Rezepten, die größtenteils ohne außergewöhnliches Küchengerät zubereitet werden können. Besonders empfehlenswert sind das Cesar-Dressing, der Brilliant Broccoli Salad, Cesar’s Better Salad, die Thai Spring Rolls mit Erdnusssoße oder die rohe Mango-Kokostorte.

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Ich selbst lebe keineswegs komplett rohköstlich, aber auch für Menschen wie mich, die ein Verhältnis von ca. 60 zu 40, also 60% Rohkost und 40% gekochte Kost praktizieren oder anstreben, ist das Buch sehr gut geeignet.

Ein kleiner Wehmutstropfen bleibt jedoch: noch ist Becoming Raw nicht in deutscher Sprache erhältlich.

Brenda Davis & Vesanto Melina: Becoming Raw. The Essential Guide to Raw Vegan Diets. 375 Seiten, 2010.

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