Als ich wach werde, begrüßt mich blauer Himmel durch die Ritzen der Jalousie. Ein Blick auf die Uhr: 9:25 – äh, nein, eigentlich jetzt schon 10:25; die Sommerzeit lässt grüßen und hat anscheinend das Wetter im Augenblick dazu überredet, zumindest ein wenig nach Sommer auszusehen. Das kommt unserem Vorhaben sehr entgegen, an diesem Ostersonntag mit den Rädern zum Café 7° zu fahren, das nach „Annabatterie“ und „Dicke Lilli, gutes Kind“ jetzt das dritte (!) Café in Mainz ist, das ein veganes Frühstück anbietet. Ich bin ein bisschen skeptisch, so wie ich jedes neue vegane Angebot kritisch beäuge, vielleicht weil ich immer noch nicht ganz glauben kann, dass die vegane Wüste Rhein-Main plötzlich überall Oasen hervorbringt.

Ich kenne das Café 7° schon von früheren Besuchen. Es ist direkt an die Mainzer Kunsthalle angeschlossen und lädt dazu ein, nach der Kunst auch noch einen Kaffee zu genießen. Seit einigen Wochen hat das Café eine neue Besitzerin, die auch schon das „Nelly’s“ in der Josefsstraße betreibt (das Nelly’s ist mir vor allem deshalb in positiver Erinnerung, weil man dort schon sehr lange seinen Kaffee auch mit Sojamilch bekommt – bis vor Kurzem in Mainz eher eine Seltenheit). Im Gegensatz zum Nelly’s, das ein wenig unordentlich, gemütlich und eng ist und mich eher an Berliner oder Hamburger Cafés erinnert, ist das Café 7° großzügig, mit rot, schwarz und weiß in klaren Farben gehalten und erinnert eher an eine Lounge. Die Zeit genießen kann man in beiden.

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Wir bestellen Milchkaffee und Cappuccino mit Sojamilch, frisch gepresste Säfte und – natürlich – zweimal das vegane Frühstück. Die Wartezeit vertreibe ich mir mit dem Lesen der STUZ (Stadtmagazin für Rhein-Main) und entdecke – es gibt ja keine Zufälle – einen extrem wohlwollenden Artikel über die neue vegane Szene in Frankfurt. Edelkiosk, Savory und das Veganz haben die Stadt innerhalb eines Jahres um drei „vegan places to be“ bereichert. Apropos bereichert – unser Frühstück steht vor uns: Ein gemischter Brotkorb, Hummus, Olivenpaste, Salat, Gurken- und Tomatenscheiben, Paprika, Margarine, Marmelade vom Buffet, und außerdem noch ein kleines Müsli mit Obst und Sojamilch. Dazu ist alles – wie sich das für ein zu einer Kunsthalle gehörendes Café gehört – optisch ansprechend angerichtet. Wir hauen rein. Der Hummus ist überwältigend lecker, ebenso die Olivenpaste, und als ich satt bin, habe ich noch nicht die Marmelade und das Müsli probiert. Nach einer kleinen Wartezeit, in der ich feststellen muss, dass es aus einem mittlerweile bewölkten Himmel kleine Flocken schneit, passt aber auch der Rest noch rein.

Cafe 7 C in Mainz

Als wir nach einem anschließenden Besuch der Kunsthalle frierend zurück radeln, resümiere ich, dass meine Skepsis mal wieder unangebracht war. Das Frühstück fanden wir beide fantastisch, den Preis von derzeit 5,80 € mehr als angemessen, das Ambiente wie immer lässig und entspannt, die Kellner/innen überaus freundlich und sympathisch, und wenn man mal zu einer anderen Tageszeit ins Café 7° will, kann man z.B. den veganen Wrap mit Hummus und gegrilltem Gemüse essen. Ach ja: veganen Kuchen soll es demnächst auch geben. Die Zeiten, in denen man Mainz als veganes Niemandsland bezeichnen konnte, sind langsam aber sicher vorbei.

7° Café Bar Lounge
Am Zollhafen 3-5
55118 Mainz
http://www.7-grad.de/

 

Für alle kulturell Interessierten: Die Mainzer Kunsthalle lohnt sich auch immer: Für 5 € Eintritt gibt es mal Malerei, mal Fotografie, mal Skulpturen, mal Videoinstallationen. Das Schöne: Man muss kein Kunstkenner sein, um die Ausstelllungen genießen und verstehen zu können.

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