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Immer mehr Profi-Sportler entscheiden sich für eine rein pflanzliche Ernährung, um ihre Leistungsfähigkeit zu steigern. Deutschland is(s)t vegan möchte die vegane Entwicklung im deutschen Leistungssport dokumentieren. Deshalb werden wir in Zukunft für euch Sportler interviewen, die entweder schon vegan geworden sind oder sich auf dem Weg dahin befinden.

Im Combat-Club-Cologne habe ich den Mixed Martial Arts (deutsch Gemischte Kampfkünste, kurz MMA) Schwergewichtskämpfer Andreas Kraniotakes beim Training getroffen. Beim MMA bedienen sich die Sportler diverser Kampftechniken aus anderen Kampfsportarten wie u.a. Boxen, Kickboxen, Karate, Judo, Taekwondo, Bodenkampf und Ringen. Mit einigen Sparringspartnern aus dem Kampfsport-Club aus Köln-Nippes bereitet er sich intensiv auf seinen nächsten Profi-Kampf vor. Vor dem Training nahm sich Andreas die Zeit, mir ein paar Fragen über seine Ernährung zu beantworten.

Was hast du vor dem Training gegessen?

Vollkornspaghetti mit Veganaise, die ich mir vorhin noch selbst gemacht habe, wie sich das gehört.

Wie machst du die?

Ich mache als Grundlage von so ziemlich jedem Essen Knoblauch und Zwiebeln brate ich an. Dann hab ich Tomaten klein reingeschnippselt und habe Sojagranulat aufgeweicht in Brühe und das dann alles zusammengeschmissen, bisschen Brokkoli, bisschen Zucchini rein, Lauchzwiebeln, gewürzt und dazu die Vollkornspaghetti.

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Foto: Aleksandra Keleman

Wie schaffst du es 8.000 Kalorien am Tag in Form von Pflanzen zu dir zu nehmen?

Das ist viel Arbeit und tatsächlich muss ich ab und zu cheaten. Vor allem, wenn ich in der Wettkampfvorbereitung bin und zusätzliche Energie brauche, da muss ich also wirklich täglich nah auf die 8.000 Kalorien rankommen. Das gelingt natürlich nicht jeden Tag, aber da muss ich auch mal ab und zu Zucker zu mir nehmen, um auch den Appetit so weit anzukurbeln, dass ich überhaupt so viel Essen kann. Weil mein Magen eigentlich keine Lust hat, so viel zu verarbeiten. Aber das muss eben schon sein, weil ich sonst eben Gewicht verliere und das ist in meiner Gewichtsklasse gerade schlecht. Ich bin eigentlich eh zu leicht für meine Gewichtsklasse.

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Und was isst du dann hauptsächlich?

Ganz viel Pasta, also ich bin eine absolute Pasta-Maschine. Ich kann eigentlich jeden Tag mehrfach Pasta essen, aber versuche natürlich auch viel über komplexe Kohlenhydrate zu machen. Ich frühstücke z.B. drei Mal. Das ist so meine Basis. Ich steh auf und ess erst mal so’n Frühstücksbrei, leider mach ich ihn nicht selbst, sondern das sind meistens so gekaufte. Dann mach ich als zweites Frühstück, wenn mein Magen schon so’n bisschen warm ist, ein Müsli – so ganz klassisch mit Dinkelflocken, Haferflocken, Chiasamen, Amaranth und Mandelmilch. Mein drittes Frühstück ist meistens Brot, gutes Dinkelbrot von meinem Bäcker und dazu gibt’s verschiedene Aufstriche und die letzten zwei, drei Scheiben mach ich noch mit was Süßem. Um das abzuschliessen, die Verdauung anzukurbeln und um wieder Appetit zu bekommen für danach.

So viel Essen geht dann natürlich auch ganz schön ins Geld oder?

Ja, das ist nicht günstig. Ich suche nach jemandem, der mich in der Hinsicht unterstützen möchte, bin also offen für Sponsoren, die Nahrungsmittel anbieten, gute Nahrungsmittel. Es ist ja schon schwer, da eine gute Firma zu finden. Aber dann noch jemand zu finden, der sich denkt, hey, den Kämpfer jetzt zu sponsorn macht Sinn, aber ich bin guter Dinge.

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Was hat dich zu der Ernährungsumstellung veranlasst?

Eigentlich zwei Dinge. Ich habe seitdem ich Athlet bin, im Prinzip schon seitdem ich 17 bin, hab ich mit Wettkampfgedanken Sport betrieben. Und seitdem hab ich immer alles Mögliche ausprobiert und hab gesagt, alles was funktioniert behalte ich und alles was nicht funktioniert, das werfe ich über Bord. Habe früher rumexperimentiert mit Eiweiss-Shakes. Hab mir dann irgendwie nachts um vier den Wecker gestellt, um Eiweiss-Shakes zu trinken, weil ich gedacht habe ich wäre unterversorgt. Meine Proteinversorgung nachts würde nicht stimmen. Das würde ich heute auf gar keinen Fall mehr machen. Ich weiss, dass mir der Schlaf jetzt wichtiger ist. Aber unterm Strich war es immer so, dass ich immer geschaut habe, wie ernähr ich mich, wieviel trink ich, was trink ich, was ess ich und wie schlägt sich das nieder im Training. Und die Sachen, die funktionieren, hab ich dann eben durch das Ausschlussverfahren beibehalten.

Die zweite Sache, die den Umschwung im Gedankengut gebracht hat, war, dass meine Frau im Zoo ein Praktikum gemacht hat. Und in dem Jahr waren sehr viele Findel-Eichhörnchen und wir sollten ein Eichhörnchen von Hand aufziehen, das aus dem Nest gefallen war. Die Mutter war nirgends zu finden. Das hat mich dann schon sehr beeindruckt, also dieses kleine Tier, dreieinhalb Wochen alt. Da hab ich eben gemerkt, dass selbst so ein vermeintlich dummes Tier – das Gehirn ist ja nicht mal annähernd so groß wie eine Erbse in dem Alter. Aber wenn ich den Leuten in meinem Umfeld gesagt habe, ey, der Kleine hat einen Charakter, das ist tatsächlich ein Individuum. Und das hat man gemerkt, der hat mit einem kommuniziert, der war was ganz besonderes. Und da habe ich mir gedacht, wenn man schon ein so kleines Tier mit so kleinem Gehirn und so jung – wenn das schon Individualität und Charakter hat, wie können wir das dann verantworten, dass wir so intelligente und empfindsame Tiere wie Schweine, Kühe töten und dann essen, wenn es eigentlich nicht notwendig ist. Ich muss ganz ehrlich sagen, wenn ich gemerkt hätte, dass ich nach der Ernährungsumstellung weniger leistungsfähig gewesen wäre, dass ich einfach das Fleisch brauche, um meine Leistung zu bringen, dann hätte ich es auch gelassen. Dann hätte ich gesagt, moralische Aspekte schön und gut, aber ich brauch einfach den Vorteil im Training. Aber das ist einfach nicht der Fall. Ich fühle mich besser, ich regeneriere schneller. Deswegen bin ich auch dabei geblieben und intensiviere das eigentlich immer weiter.

Also spürst du einen Unterschied im Ring?

Ich spüre definitiv einen Unterschied bei der Regenerationsfähigkeit. Wenn ich früher zweimal am Tag trainiert habe, war es immer so, dass ich beim zweiten Training vielleicht noch 60 bis 70 Prozent meiner Leistungsfähigkeit gehabt – an guten Tagen. An schlechten Tagen eher 40 bis 50 Prozent. Und mittlerweile ist es tatsächlich so, dass die zweite Trainingseinheit vom Energielevel, vom Empfinden her fast gleichwertig ist. Dass ich sagen kann, dass ich mit bei der zweiten Einheit fast genauso fit fühle wie bei der Ersten.

Wie lange willst du noch kämpfen?

Ich hab für mich selber gesagt, ich kämpfe solange, wie ich das Gefühl habe, noch besser zu werden. Wenn ich merke, dass ich zu alt werde, um im Training mich noch zu verbessern oder zu alt werde, um im Wettkampf mit den Anderen mitzuhalten, dann hör ich auch. Aber da bin ich noch nicht angekommen.

Meinst du, man erhöht das Austrittsalter durch die Ernährung?

Ich glaube, dass man definitiv einiges rausholen kann, egal wie alt man ist. Nur wenn man jung ist, ist einem das nicht so richtig bewusst. Weil man schon alleine dadurch, dass der Körper noch so viel Wachstumshormone produziert und so viel Testosteron, hat man einfach nicht diese Notwendigkeit des Finetunings. Und deswegen achtet man vielleicht im Alter mehr drauf. Man hat auch ein besseres Körpergefühl. Ich würde sagen, dass ich jetzt auch mein Bio-Feedback um einiges verbessert habe in den letzten zehn Jahren. Dass ich heute viel eher merke, diese Stunde Schlaf, hat die mir jetzt wirklich mehr geholfen oder nicht? Der extra Liter Wasser – hat der mir wirklich jetzt geholfen oder nicht? Das hab ich vor zehn Jahren noch nicht so gemerkt wie heute. Man wird einfach empfindsamer für die Dinge, die in seinem Körper und um seinen Körper rum passieren. Man lernt dazu und insbesondere die Körperstruktur verändert sich ja auch. Also die Muskelfasern ändern sich mit der Zeit und deswegen ist es auch so, dass viele der guten Schwergewichtsboxer erst hinten raus, also in den späten Dreissigern oder sogar um die Vierzig herum ihren Prime hatten. Weil die schnell kontrahierenden Muskelfasern weniger geworden sind und die langsam kontrahierenden, also die, die auch Ausdauer verleihen, mehr geworden sind. Das ist eben ein grosser Faktor bei uns. Klar, man muss schnell sein und stark sein, aber Ausdauer ist eben wichtig. Wenn man nach der zweiten Runde keine Luft mehr hat, dann siehts schlecht aus.

Kannst du dir vorstellen, dass sich das Männerbild durch die vielen erfolgreichen veganen Fighter, wie die Diaz-Brüder oder Mac Danzig, ändert?

Ich glaube, dass sich die Tatsache, dass Leute, die an der Spitze mitkämpfen und sich so ernähren, den generellen Blick auf die Ernährungsweise ändern kann. Ich glaube, dass das Männerbild sowieso schon lange im Umbruch ist und das auch notwendig ist, dass wir Männer uns emanzipieren. Dass wir uns einfach die Freiheit rausnehmen, bestimmte Dinge zu tun, die früher eher für Frauen gedacht waren. Dass Männer eben nicht nur dann kochen, wenn sie Sterne-Koch sind, sondern eben auch zuhause kochen. Ich hab kein Problem damit, in meinem Freundes- und Bekanntenkreis zu sagen, ich bin derjenige, der bei uns zuhause kocht. Oder ich bin derjenige, der bei uns zuhause auch einen Großteil des Haushalts macht, weil es einfach Sinn macht. Ich bin mehr zuhause als meine Frau. Meine Frau geht einem normalen – ich sag mal in Anführungsstrichen normalen – Job nach. Warum sollte sie jetzt dann nachhause kommen und immer noch spülen und waschen und kochen, wenn ich eh zuhause bin zwischen den Trainingseinheiten. Und insofern glaube ich, dass der Umbruch des Männerbildes sowieso schon lange überfällig ist und dass das auf jeden Fall helfen kann. Es ist wichtig, eine Lanze zu brechen für die Leute, weil die Leute immer denken, es wäre ein Nachteil, wenn man sich so ernähren würde. Und tatsächlich ist es ein Vorteil. Je mehr von uns Spitzensportlern das eben machen und zeigen, dass man trotzdem die Leistung abliefern kann, desto mehr kann man eingefahrene Denkweisen aufweichen.

Wann gehst du schlafen und wie lange schläfst du?

Tatsächlich hat sich das im letzten Jahr stark verändert, weil ich gemerkt habe, dass der Schlaf für mich sehr, sehr wichtig geworden ist. Ich gehe meistens um die zwölf Uhr schlafen, immer plus minus eine Stunde und versuche mindestens acht Stunden zu schlafen. Das ist tatsächlich Arbeit, also ich muss das planen, damit das auch funktioniert. Weil wenn man mich lassen würde, würde ich erst so um vier schlafen gehen. Aber ich kann auch nie länger als zehn Stunden schlafen, meine innere Uhr sagt dann einfach aufstehen. Deswegen hab ich irgendwann gelernt, ich muss früher schlafen gehen und einfach länger schlafen. Ich fühle mich natürlich fitter, ich hab das Gefühl, dass ich weniger verletzt bin dadurch und man geht ganz anders an den Tag heran.

Verrätst du mir noch Dein Lieblingsrestaurant? Ich habe gesehen, es hat sich sehr viel entwickelt in Köln. Gehst du gerne essen?

Ich hab tatsächlich ein Lieblingsrestaurant. Das ist aber nicht in Köln. Ich wohne ja ein bisschen ausserhalb. Das ist in Siegburg. Die haben auch viele vegane Gerichte auf der Karte, haben aber auch andere Dinge. Das finde ich eigentlich ganz gut, diese Mischung erlaubt es mir eben, mit Leuten da hinzugehen, die vielleicht Vorbehalte haben. Du kannst ja auch da dein Steak bestellen, wenn du willst. Ich bestell mir aber meinen Kram und die gucken sich das dann immer an, was ich bestelle und sagen „das sieht aber eigentlich ganz lecker aus, kann ich das mal probieren?“ und merken dann hey, das heisst nur so fies vegan, aber das heisst ja nicht automatisch, dass es doof aussehen oder doof schmecken muss. Da kann man eben auch so’n bisschen eingefahrene Denkweisen aufweichen. Und das Ambiente ist schön und deswegen geh‘ ich da gerne hin.

Was isst du dann dort?

Die haben sehr viele leckere Sachen. Ich ess auf jeden Fall immer die Linsensuppe. Die bekommen sie extrem gut hin, das muss ich auch noch lernen. Abgesehen davon haben sie immer wechselnde Sachen. Ich bin jemand, der gerne viel ausprobiert, aber die Linsensuppe steht immer vorne.

Vielen Dank für deine Zeit und das Gespräch und viel Erfolg für deinen nächsten Kampf.

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