Die vegane Ernährung findet in Deutschland mehr und mehr Anhänger. Auch immer mehr Mischköstler und Sportler setzen auf pflanzliche Lebensmittel mit dem Fokus auf Obst, Gemüse und Nüsse als Quelle für wichtige Vitamine, Mineralstoffe, Ballaststoffe und sekundäre Pflanzenstoffe. Mittlerweile gehen Schätzungen und Umfragen davon aus, dass sich ca. 1,3 Millionen Menschen in Deutschland sogar rein pflanzlich ernähren. Die Vorteile dieser Ernährungsform liegen auf der Hand: Sowohl dem Tierwohl als auch der Umwelt lässt sich damit helfen. Oft wird aber immer noch behauptet, eine rein vegane Ernährung sei nicht gesund. Ist da was dran?

Sonne tanken müssen wir alle

Ob vegetarisch, vegan oder mischköstlich – mittlerweile wissen wir sehr wohl – es kommt viel mehr darauf an, wie vielseitig unsere Ernährung aufgebaut ist, was wir in welcher Kombination essen und die Aufnahme wird von vielen Faktoren beeinflusst. In Deutschland leiden zum Beispiel nicht nur Veganer an Vitamin D Mangel, sondern oft auch Mischköstler. Das „Sonnenvitamin“ Vitamin D gehört zur Gruppe der fettlöslichen Vitamine (diese sind A-D-E-K) und wird bei ausreichender UVB-Bestrahlung vom Körper selbst gebildet. Die Ernährung trägt mit 5-10 % nur einen unwesentlichen Teil zur Deckung des Tagesbedarfs bei. In den Wintermonaten bekommen wir alle zu wenig Sonne ab und daher sollten wir alle über eine Aufnahme in zum Beispiel Tropfenform nachdenken. Liest dazu den Artikel VEGANE ERNÄHRUNG: VITAMIN D

Kritische Nährstoffe bei einer rein veganen Ernährung

Wer sich ausgewogen und vegan ernährt und dabei die kritischen Nährstoffe nicht aus den Augen verliert, kann für eine optimale Versorgung sicherstellen. Experten und Ärzte empfehlen, alle 1–2 Jahre ein Blutbild anfertigen zu lassen, um so auch faktisch auf der sicheren Seite zu sein. Ein Basiswissen ist einfach essentiell. In unserem Artikel „B12 & CO. – NÄHRSTOFFE-CHECK“ erhält du eine gute Übersicht aller Nährstoffe.

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Die vegane Ernährung ist in vielen Bereichen gesund, tut unseren Planeten gut und bewahrt vielen Tieren vor Ausbeutung und bietet entsprechende viele Vorteile. Fleisch- und Milchprodukte können den Vorteil haben, dass sie viele Nährstoffe in gebündelter und leicht zugänglicher Form bieten, die ein Veganer letztlich kombinieren oder ersetzen muss. Als Mischköstler greift man daher aus Unwissen oder aus praktischen Gründen zu tierischen Lebensmittel. Wer also mehr und mehr auf vegan setzen möchte und sich langfristig rein pflanzlich ernähren möchte, der sollte einfach einiges beachten und sich am Anfang gut informieren. Wir zeigen euch, worauf ihr achten solltet.

Mögliche Mangelversorgung – wie lässt sich diese umgehen?

Es gibt einige Nährstoffe, deren Deckung bei rein veganer Lebensweise erschwert ist. Doch es gibt immer Möglichkeiten, die Mangelversorgung zu umgehen. Die wichtigsten potenziellen Engpässe sind:

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Vitamin B12

Das auch als Cobalamin bekannte Vitamin B12 kommt nahezu nur in tierischen Lebensmitteln wie Eiern, Fleisch, und Käse vor. Es ist für zahlreiche Stoffwechselprozesse erforderlich und sorgt zudem dafür, dass Folsäure in ihre aktive Form überführt wird. Dies ist wiederum wichtig für die Blutbildung. Wer sich jahrelang vegan ernähren möchte, kann irgendwann einen Mangel an Vitamin B12 aufweisen, der zu folgenden Symptomen führen kann:

  • Anhaltende Müdigkeit
  • Kraftlosigkeit
  • Konzentrationsstörungen
  • Depressive Verstimmung

Da es hier so gut wie keine Ausweichlebensmittel gibt, sollte Vitamin B12 tatsächlich durch entsprechende Präparate ersatzweise zugeführt werden. Wichtige und ausführliche Infos findet ihr im beliebten Artikel: VEGANE ERNÄRHUNG: VITAMIN B12

Eisen

Dass Veganer unter einem Eisenmangel leiden könnten, ist zunächst einmal merkwürdig. Im Normalfall nehmen diese nämlich deutlich mehr Eisen auf als Mischköstler. Das pflanzliche Eisen ist dreiwertig und deshalb für den Körper nicht so gut verfügbar wie das zweiwertige Eisen aus Fleischprodukten. Jeder Körper nimmt Nährstoffe anders auf. In Bezug auf einen eventuellen Eisenmangel sollten Veganer und alle, die besonders auf Eisen achten müssen so wie Frauen in ihrer monatlichen Periode sich deshalb in regelmäßigen Abständen testen lassen. Durch den Verzehr besonders eisenhaltiger Lebensmittel lässt sich das Problem zudem in den Griff bekommen. Die folgende Tabelle zeigt einige besonders eisenhaltige pflanzliche Lebensmittel mit ihrem Eisengehalt auf 100 g auf:

Lebensmittel Eisengehalt pro 100 g
Kakaobohnen 46,8 g
Kürbiskerne 12,5 g
Sesamsamen 10,0 g
Dinkelmehl (Vollkorn) 9,7 g
Leinsamen 8,2 g
Linsen (getrocknet) 8,0 g
Chiasamen 7,7 g
Kidneybohnen (getrocknet) 7,0 g
Pfirsich 6,5 g

Tabelle1: Eisengehalt veganer Lebensmittel

 

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Photo: Maria Siebenhaar

Vitamin D

Vitamin D hat sich gerade in den letzten Jahren den Ruf erarbeitet, für unsere Gesundheit besonders wertvoll zu sein. Die Ernährung trägt aber nur mit 5-10 % nur einen unwesentlichen Teil zur Deckung des Tagesbedarfs bei.

Was auf den ersten Blick problematisch wirkt, ist jedoch bei weitem nicht so schlimm wie angenommen. Auch Mischköstler können durch die Nahrung nicht genug Vitamin D aufnehmen, um so den eigenen Bedarf zu decken. Zudem kann unser Körper Vitamin D auch selbst bilden, wenn wir unserem Körper der Sonne aussetzen. Oft reichen schon 20-30 Minuten Sonneneinstrahlung, wenn ca. ein Drittel unseres Körpers (nackte Haut) damit in Berührung kommen.

Da die Sonne in Deutschland jedoch nur zwischen April und September in einem Winkel auf uns herunterscheint, der zur ausreichenden Vitamin D-Produktion geeignet ist, kann eine Nahrungsergänzung mit Vitamin D durchaus hilfreich sein. Hier sollten auch Veganer jedoch vorher mit ihrem Arzt sprechen und klären, ob dies im Einzelfall nötig ist.

Wie bereits gezeigt, lassen sich potenzielle Mangelerscheinungen durch abwechslungsreiche Kost und eine entsprechende Nahrungsergänzung in den Griff bekommen. Wer darauf achtet, hat in Sachen Mikronährstoffe auch als Veganer alles im Griff.

Gute Proteinquellen für Veganer

Ein weiteres Problem scheint für Veganer zunächst die Quelle für Proteine zu sein, da Milchprodukte und Fleisch sowie Eier wegfallen. Da können pflanzliche Proteinquellen ordentlich punkten. Insbesondere wenn sie gut kombiniert werden. Als Veganer ist es also gar kein Problem, sich ausreichend mit wertvollen Proteinen zu versorgen.

Haferflocken

Ein klassisches Lebensmittel mit einem guten Proteingehalt sind Haferflocken. Mit einem Proteingehalt von 13 g/100 g sind sie für das Frühstück ideal und bieten eine gute Basis für ein Müsli.

Hülsenfrüchte

Hülsenfrüchte bieten ebenfalls viele Proteine und sind darüber hinaus auch voller gesunder Mikronährstoffe. Besonders gehaltvolle Eiweißlieferanten sind hierbei frische Linsen (24 g Protein auf 100 g), frische Kidneybohnen (22,1 g auf 100 g) und auch frische grüne Erbsen (22,9 g auf 100 g).

Sojaprodukte

Mittlerweile gibt es zahlreiche Sojaprodukte für Veganer. Gute Beispiele sind dabei Tempeh, Sojaflocken oder auch Sojabohnenmehl und diese weisen sehr interessante Anteile an Proteinen auf. Trotzdem gibt es um Soja als Lebensmittel und auch als Nahrungsergänzung für Sportler immer wieder kontroverse Diskussionen. Positiven Auswirkungen wie einer eventuell besseren Gefäßfunktion, verringerten Wechseljahresbeschwerden und einem leicht verminderten Brustkrebsrisiko stehen einige gesundheitliche Risiken durch die sogenannten Isoflavone gegenüber. Ob und für wen diese hormonähnlichen Zusammensetzungen schädlich sind, ist bisher leider noch nicht abschließend geklärt.

Nüsse und Samen

Weitere attraktive Proteinquellen stellen natürlich auch Nüsse und Samen dar. So weisen Erdnüsse beispielsweise 25 g Eiweiß pro 100 g auf und auch Cashew-Nüsse müssen sich mit 17,5 g Eiweiß nicht verstecken.

Noch besser schneiden hier sogar verschiedenen Samen wie Kürbiskerne (24 g), Leinsamen (24g) oder Hanfsamen (31 g) ab.

Beispielgerichte für gute vegane Proteinkombinationen:

  • Pasta mit Linsenbolognese und Cashewparmesan
  • Erbsenreis mit Cashewsahne
  • Gemüsecurry (Mandelsahne statt Kokosmilch) mit Tofu und braunem Reis

Die Liste findet ihr im Beitrag OPTIMALE PROTEINVERSORGUNG DURCH KOMBINATION

Wie Veganer ihre Ernährung weiter optimieren

Neben den oben genannten Punkten existieren noch zahlreiche weitere Möglichkeiten, als Veganer möglichst gesund zu leben. Im Folgenden werden einige Aspekte exemplarisch näher aufgezeigt:

Viel trinken

Wer mindestens 1,5-2 Liter Wasser und Tee am Tag trinkt, fördert damit seine Gesundheit. Es hilft dabei, die eigene Haut und die Haare geschmeidig zu halten. Darüber hinaus schont es die Gelenke, indem es den Knorpeln als eine Art Stoßdämpfer dient. Die anregende Wirkung auf die Verdauung und die damit verbundene Hilfe beim Abnehmen ist ebenfalls nicht zu verachten.

Auf Vollkornprodukte setzen

Veganer setzen in vielen Fällen auf einen nicht unerheblichen Teil Getreideprodukte in ihrer Ernährung. Hier ist es wichtig, möglichst Vollkornprodukte zu nutzen. Auf diesem Weg bleiben die vielen wertvollen Mikronährstoffe im Korn enthalten, die bei hellem Mehl verloren gehen.

Gutes Fett durch Speiseöle

Bei der Fettzufuhr ist es für jeden Menschen wichtig, auf ein gutes Verhältnis aus Omega-3-Fettsäuren und Omega-6-Fettsäuren zu achten.  Als gutes Verhältnis wird dabei eine Relation von 5:1(Omega 6 zu Omega 3) betrachtet. Mischköstler haben wegen vieler Fertigprodukte und damit einhergehender schlechter Fette oft ein Verhältnis von 20:1. Da Veganer auf Fleisch- und Wurstwaren verzichten, ist das Verhältnis in den meisten Fällen deutlich günstiger. Trotzdem lässt sich auch hier noch an einer Optimierung arbeiten. Wer zum Braten beispielsweise Oliven- oder Rapsöl verwendet, kann hier bereits punkten. Leinöl eignet sich hingegen wie Olivenöl sehr gut für Salate und kalte Speisen.

Jodsalz und Algen sorgen für die Jodzufuhr

Jod ist ebenfalls ein Mikronährstoff, dessen Versorgung als Veganer mitunter Probleme macht. Deutschland gilt sowieso als ein Jodmangel-Land und signifikante Jodmengen sind vor allem in Lebensmittel wie Fisch, Eiern und Innereien zu finden. Glücklicherweise bieten hier Jodsalz und auch Algen eine hervorragende Möglichkeit, den Jodhaushalt im Gleichgewicht zu halten. Darüber hinaus existieren auch einige pflanzliche Lebensmittel, die große Mengen Jod enthalten:

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  • Erdnüsse (14 g auf 100 g)
  • Brokkoli (15 g auf 100 g)
  • Grünkohl (12 g auf 100 g)
  • Cashew-Kerne (10 g auf 100 g)
  • Roggenbrot (9 g auf 100 g)

Abwechslungsreiche vegane Ernährung als Quell der Gesundheit

Grundsätzlich lässt sich festhalten, dass die vegane Ernährung zahlreiche gesundheitliche Vorteile mit sich bringt. Die Risiken für gängige Zivilisationskrankheiten wie Herz-Kreislauferkrankungen, Diabetes und Krebs zu erkranken, liegen je nach Quelle leicht bis deutlich niedriger. Doch auch Veganer sollten darauf achten, sich mit bestimmten Mikronährstoffen ganz gezielt zu versorgen und eine möglichst abwechslungsreiche Kost zu sich zu nehmen. Wer dies schafft, kann sich ohne Bedenken vegan ernähren.

 

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