Kennst du das Gefühl, dass einen Menschen oft auf die Tatsache reduzieren, dass man Veganerin oder Veganer ist? Ich habe das schon häufiger erlebt, z.B. im Büro: “Ach, meinst du den Kollegen, der Veganer ist?” Oder wenn ich auf einer Party direkt darauf angesprochen werde, dass ich vegan esse, und ich den Rest des Abends in Gespräche zum Thema Veganismus verwickelt werde – was ja per se erst mal nicht schlimm ist. Tatsächlich macht aber doch jeder, der vegan lebt, viel mehr als “nur” vegan zu sein. Veganz zu leben ist eine – wenn auch wichtiges – Facette im Leben von vielen Menschen, aber es macht einen ja noch viel mehr aus als nur das.

In dieser neuen Serie sollen immer wieder Menschen vorgestellt werden, die vegan leben, die aber vor allem total interessante und spannende – und gleichzeitig ganz und gar unterschiedliche – Hobbys, Berufe oder Interessen haben. Und diese haben oft auch überhaupt nichts mit dem Thema “Vegan” zu tun. Nichtsdestotrotz war oder ist für viele der Veganismus eine wichtige Inspiration oder sogar die Ausgangslage gewesen, sich beruflich neu zu orientieren.

Heute berichten uns Katrin und Daniel vom tollen Blog bevegt.de, was der Veganismus in ihrem Leben verändert hat. 

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Stellt euch doch bitte mal kurz vor!

Wir sind Daniel, Jahrgang 1983, und Katrin, Jahrgang 1978, und wohnen in Frankfurt am Main. Seit vielen Jahren sind wir leidenschaftliche Läufer und fühlen uns dabei auf allen längeren Distanzen wohl, von 10 km-Volksläufen bis hin zu Trail-Ultramarathons. Auf unserem Blog beVegt – vegan leben und laufen schreiben wir über das Laufen und die vegane Lebensweise. 

Seit wann und warum lebt ihr vegan?

Wir leben seit Herbst 2010 vegan, also mittlerweile seit mehr als vier Jahren. Am Anfang war es eine Mischung aus Neugierde und Interesse: Wir wollten einfach mal ausprobieren, wie wir uns mit der veganen Ernährung fühlen und insbesondere wie sich das auf unsere sportliche Leistungsfähigkeit auswirken würde. Aber auch ethische und ökologische Aspekte haben von Anfang an eine Rolle gespielt.

Heute überwiegt der ethische Aspekt. Wir wollen mit unserer Lebensweise so wenig Leid und Schaden wie möglich anrichten. Und wir glauben, dass die vegane Lebensweise ein großer Schritt in die richtige Richtung ist, auch wenn man natürlich niemals “perfekt” sein kann – aber darum geht es ja auch gar nicht. Wichtiger als das Ziel ist der Weg dorthin!

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BeVegt Promo 2014, © L.K. / www.natureofmusic.net

Photo: © L.K. / www.natureofmusic.net

Wie wichtig ist euch das Thema Veganismus – welche Rolle spielt es in eurem Leben?

Das Thema Veganismus ist uns sehr wichtig. Wir werben wo immer es geht für den Veganismus, auf unsere Art und Weise. Wir laufen bei Wettkämpfen in T-Shirts mit veganer Message und berichten auf beVegt über Veganismus und Ausdauersport.

Wir versuchen, dabei nicht missionarisch rüberzukommen, weil wir glauben, dass der Entschluss zu einem veganen Leben in einem selbst entstehen muss. Wenn man selbst zu einer Überzeugung gelangt, dann ist das viel nachhaltiger. Wir kennen jedenfalls niemanden, der sich zum Veganismus hat “überreden” lassen.

Aber um zu deiner Frage zurückzukehren: Unser ganzes Leben hat sich grundlegend verändert, seit wir vegan geworden sind. Deshalb kann man sagen, dass das Thema Veganismus eine Hauptrolle darin spielt.

Stört euch etwas am veganen Leben oder der veganen „Bewegung“?

Am veganen Leben stört uns nichts. Wir haben uns inzwischen daran gewöhnt, darauf angesprochen zu werden und fühlen uns nicht mehr unwohl dabei, über unsere Beweggründe und Überzeugungen zu sprechen. Wir freuen uns über jedes gelungene Gericht und brauchen auch keine Auswahl zwischen zwölf Joghurtsorten im Supermarkt, um glücklich zu sein.

Ein Wehmutstropfen sind manchmal die Grabenkämpfe, die in Teilen der veganen Community ausgefochten werden. Wir blenden aber inzwischen vieles aus und machen einfach unser eigenes Ding – das funktioniert zwar noch nicht perfekt, aber wir werden immer besser darin.

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Was ist euch sonst so im Leben wichtig, was liebt ihr, was inspiriert euch?

Bei uns hat die Veränderung nicht mit der veganen Ernährung bzw. der veganen Lebensweise aufgehört. Danach haben wir uns mit dem Minimalismus beschäftigt und sind in den letzten drei Jahren immer mehr Schritte in Richtung eines minimalistischen Lebens gegangen. Weniger zu besitzen bedeutet am Ende, mehr Zeit für die Dinge zu haben, die uns wichtig sind: Sport, leckeres Essen, unser Blog, gemeinsame Zeit und Erlebnisse in der Natur. 

Was macht ihr beruflich?

Im Oktober 2014, also vor noch gar nicht allzu langer Zeit, haben wir uns gemeinsam selbständig gemacht. Wir haben deshalb noch gar keine Standard-Antwort auf die Frage, was wir beruflich machen – aber man könnte wohl sagen, dass wir mit dem Schreiben unser Geld verdienen: Wir motivieren, informieren und geben unsere Erfahrung mit dem Laufen und der veganen Ernährung weiter.

Unser erstes großes Projekt ist das beVegungs-Programm – ein Mitgliederprogramm, in dem wir uns jeden Monat mit einer Veränderung in einem bestimmten Bereich befassen. Grob gesagt geht es darum, Gewohnheiten für ein gesundes, aktives, befriedigendes und selbstbestimmtes Leben zu entwickeln. Das macht einen Riesenspaß, weil unter den Mitgliedern eine tolle Aufbruchstimmung herrscht, die einen geradezu ansteckt.

Und natürlich haben wir noch weitere Ideen, die wir nach und nach umsetzen und ausprobieren wollen. Zum Beispiel werden wir demnächst auch ein sehr individuelles Laufcoaching anbieten, weil wir inzwischen eine Menge Anfragen diesbezüglich bekommen. 

Wie kam es dazu?

Als wir im November 2011 mit beVegt gestartet haben, hatten wir gar keine konkrete Vorstellung davon, wohin die Reise gehen würde. Ganz ehrlich: Wir haben dieses Projekt ein halbes Jahr lang vor uns hergeschoben, weil wir Angst hatten, dass niemand unsere Beiträge lesen würde.

Zum Glück haben wir uns dann aber doch überwunden und den ersten Beitrag veröffentlicht, und seitdem ist beVegt kontinuierlich gewachsen und hat natürlich auch einen immer größeren Teil unserer Freizeit beansprucht.

Irgendwann waren wir dann an einem Punkt, an dem wir uns entscheiden mussten: Entweder bleibt beVegt ein Hobby, oder wir legen unsere gesamte Energie hinein und machen unsere Leidenschaft zum Beruf. Wir haben uns gefragt, was das Schlimmste wäre, was uns passieren könnte, wenn es nicht klappt. Da ist uns gar nicht viel eingefallen, und deshalb haben wir an einem Tag im Mai unseren Mut zusammengenommen und beide unsere unbefristeten Jobs gekündigt.

Wenn wir es nicht probiert hätten, hätten wir uns in zehn Jahren wahrscheinlich gefragt: “Was wäre gewesen, wenn …?” Das bleibt uns jetzt jedenfalls erspart!

Hat der Veganismus irgendeine Auswirkung auf das gehabt, was ihr beruflich tut?

Ja, natürlich! Ohne den Veganismus hätten wir nicht mit dem Bloggen angefangen, und ohne den Blog wäre es wohl nicht zu unserer Selbständigkeit gekommen. Wie gesagt, der Schritt zum Veganismus hat für uns vieles positiv verändert und wir sind auch deshalb sehr froh darüber, dass wir damals diese Entscheidung getroffen haben.

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Habt ihr ein Lieblingsrezept und wenn ja: Verratet es uns doch bitte!

Puh, wir essen ja sehr gerne, und als Läufer auch immer eine Menge. Wir lieben zu Hause die einfache Küche ohne viel Schnick-Schnack. Aufwändige Gerichte, für die man zwei Stunden in der Küche stehen muss, das ist nichts für uns.

Wir essen sehr gerne asiatisch, zum Beispiel scharfe Thai-Currys mit angebratenem Tofu, einfache Gemüsepfannen mit Bohnen und Reis (auch als “A Grain, a Green and a Bean” bekannt), oder wir machen Wraps, bestrichen mit Hummus und gefüllt mit Salat, angebratenem Gemüse, Sprossen und Avocados.

thinpaperback_transparent_300Was sollte man noch unbedingt über euch und eure Arbeit wissen?

Auf unserem Blog gibt es inzwischen wirklich jede Menge Infos, Tipps und Rezepte für ein sportlich-aktives Leben. Wir freuen uns über jeden Besuch! Wer regelmäßig informiert werden möchte kann auch unseren Newsletter abonnieren – unser E-Book “Plant Power” gibt’s gratis dazu!