Vegan beim Arzt. Ich weiß, ruhig bleiben! Arztbesuche sind für uns Veganer kleine Geduldsproben – nicht nur im Wartezimmer. Sobald ihr euch unschuldig als vegan outet, sind Sorgenfalten und Diskussionen vorprogrammiert. Wir haben 10 Tipps für euren nächsten Arztbesuch zusammengestellt, wie ihr das Gespräch mit dem Doc kompetent und verständnisvoll meistert.

Den Arzt eures Vertrauens finden – veganfreundliche Ärzte

Voraussetzung für einen stressfreien Arztbesuch ist ein veganfreundlicher Ort. Es gibt Ärzte-Listen, mit denen ihr den Traumprinzen in weißem Kittel auch in eurer Nähe finden könnt. Hört ebenfalls auf Erfahrungsberichte eurer veganen Freundesfreunde. Eigentlich muss der Arzt nicht selbst vegan leben, um euch gegenüber tolerant oder sogar unterstützend zu sein. In jedem Falle, lasst euch nicht unterkriegen. Es ist eure private Entscheidung vegan zu leben und ihr wisst, was ihr tut. Vielleicht seid ihr zur Ernährungsberatung bei Ärzten auch am falschen Ort. Sucht vielmehr bei umfassendem Beratungbedarf ausgebildete Ernährungsberater auf.

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Bringt eurem Arzt was bei – Weiterbildung für Ärzte

Ärzte können letztlich nichts für ihre Sorgen bei veganer Ernährung. Im Ärztestudium fehlen die Inhalte über Ernährung und sind nur durch ein Zusatzstudium der Ernährungsmedizin o.ä. nachzuholen. Die Forschungserkentnisse zu den positiven Gesundheitseffekten sind bislang nicht in allen Arztpraxen angekommen. Habt Verständnis. Diese Lücke ist eure Chance! Es gibt längst Weiterbildungen und Kongresse, bei denen sich Ärzte die heiß begehrten CME-Punkte (Fortbildungspunkte für Ärzte) ergattern können. Eine gute Möglichkeit ist der VegMed-Kongress, ein internationaler Ärztesymposium zu pflanzenbetonter Ernährung. Zack 6 CME-Punkte. Die VegMed findet das nächste Mal im April 2018 statt. Also ladet eure Ärzte doch einfach ein.

Mehr zur Vegmed am 20-22.4.2017:

Blutwerte checken lassen – Sinn und Unsinn

Einmal jährlich! Solltet ihr den ganzen Text vergessen, merkt euch nur dieses eine. Bitte wirklich einmal jährlich Blutwerte auf die kritischsten Nährstoffe checken lassen. Vom Labor oder Lieblings-Arzt. Wir sagen euch gleich welche. Umso ernüchternder, dass es leider etwas kostet. Die einzelnen Nährstofftests in Blut, Serum oder Urin werden als IGeL (Individuelle Gesundheitsleistungen) bezeichnet und liegen außerhalb des vertragsärztlichen Bereichs. Darum müssen sie selbst gezahlt werden. Ausnahmen bestätigen die Regel. Fragt vorher euren Arzt oder die Krankenkasse, ob Tests übernommen werden. Das kleine oder große Blutbild  reicht nicht aus, um euren Versorgungsstatus mit Nährstoffen zu bewerten. Dieses dient eher zur Analyse eures allgemeinen Gesundheitsstatus.

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Vegan-freundliche Krankenkasse wählen und sparen

Ein paar wenige Krankenkassen haben bereits besondere Angebote für vegan-lebende Menschen in ihr Portfolio aufgenommen. Derzeit fallen darunter v.a. die BKK advita und die BKK ProVita. Es lohnt sich ein Vergleich. Alle Krankenkassen müssen sich bei ihren Maßnahmen an den grundlegenden Präventionsleitfaden des GKV-Spitzenverbandes halten. Folglich sind alle Krankenkassen gleichermaßen frei wie gebunden aus dem Leitfaden konkrete Präventions-Angebote zu entwickeln.

B-Vitamin: 12 – berühmt berüchtigt

B12. Das berühmteste B-Vitamin seit es Veganer gibt. Zunächst eignen sich für die Untersuchung nur Holotranscobalamin (Holo-TC) sowie Methymalonsäure (MMA). Holo-TC zeigt schon einen früh sinkenden Vitamin-B12-Mangel an. Der MMA zeigt den Versorgungsstatus in den Zellen. Drum kombiniert die beiden Tests für einen aussagekräftigen Wert. Nicht ausreichend (!) ist das Serum-B12, welches oft und gerne von Ärzten ohne Vorkenntnisse getestet wird. Serum-B12 reagiert spät auf Veränderungen und ist zu unspezifisch.

Mehr zu Vitamin B12-Einnahme:

Vitamin D – supplementieren oder nicht

Sagenumwobenes fettlösliches Ding du. Vitamin D. Ein großer Hype hat das arme Vitaminchen als eins der weltweit kritischsten Nährstoffe deklariert. Die Allgemeinbevölkerung sei durch unseren heutigen sonnenarmen Büro-Alltag konstant unterversorgt. Empfehlungen zur Standard-Supplementierung im Winter und Mittagspausen-Spaziergang-Befehle im Sommer waren das Ergebnis. Derzeit erscheinen neue Erkenntnisse, die den Grenzwert in Frage stellen. Forschungsfehler? Alles Quatsch? Das werden die nächsten Jahre zeigen. Bevor ihr blind supplementiert, lasst die Werte untersuchen. Nachdem ihr einen niedrigen 25-OH-Vitamin-D3-Wert (Calcidiol) im Blut feststellt, könnt ihr in Absprache mit dem Arzt Vitamin D3 (vegan) als Unterstützung nehmen.

Mehr zum umstrittenen Vitamin D:

Eisen oder Zink – wer darf in den Club?

Eisen und Zink haben was gemeinsam. Sie wollen in den gleichen Club und am selben Türsteher vorbei. Und der Club ist unser Körper. Daraus resultiert oft eine Parallelität des Zink- und Eisenstatus. Ist der Zinkwert hoch, kann der Eisenstatus im Mangel liegen und umgekehrt. Beides in relativer Balance wäre natürlich optimal. Lasst es einfach überprüfen. Für Eisen eignet sich ein kleines Blutbild (Eryhtrozytenzahl, Hämatokrit, Hämaglobin) und Serumferritin (Eisenspeicher). Zink wird im Serum untersucht.

Tricks zur besseren Eisenaufnahme:

Die Schilddrüsenfreunde Jod und Selen

Habt ihr gewusst, dass Jod und Selen beste Nährstoff-Buddies sind? Gemeinsam ermöglichen sie  die gesunde Funktion der Schilddrüse.Deutschland hat jodarme Böden. Insbesondere Veganer gehören zur Risikogruppe für Jod, weswegen sich der etwas aufwändigere 24-h-Urintest lohnt. Dieser ist v.a. in Stillzeit und Schwangerschaft sinnvoll.  Selen könnt im Serum von eurem Arzt testen lassen.

Rezepte mit Jodquelle Norialge:

DHA und Vitamin B2 – so gut für euer Herz

DHA und Vitamin B2 sind essentielle Nährstoffe für Herz und Kreislauf. Docosahexaensäure (DHA) gehört zur Omega-3-Familie und wird vom Körper selbst hergestellt. DHA wird im Plasma untersucht und kontrolliert die Wirksamkeit von Nahrungsergänzungsmittel. Vitamin B2-Mangel gilt als Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Omega-3, EPA und DHA-Umwandlung gut erklärt im Artikel.

Wenn du das nächste mal vegan beim Arzt sitzt, denk an uns, wir sind bei dir!