Liebe Mimi, wie schön, dass du Zeit für uns und unsere Leser gefunden hast. Wir freuen uns sehr, dass du deine Eindrücke als Expertin im Bereich grüner Mode mit uns teilst. Du hast mit Avocadostore.de deine Leidenschaft zum Beruf gemacht. Wie bist du auf die grüne Idee gekommen?

Ich beschäftige mich seit meiner Kindheit mit Umweltschutz. Jedoch stand der „grüne“ Aspekt für mich bei meiner Berufswahl nicht im Vordergrund. Allerdings hatte ich in den ersten Berufsjahren ein Aha-Erlebnis: Mir wurde klar, dass ich nicht mache, was ich für sinnvoll halte. Ich habe gekündigt und erst mal in einem Restaurant gearbeitet, um Menschen mit gutem Essen glücklich zu machen. Durch einen Zufall traf ich dann auf einen der Gründer von Avocadostore.de und war sofort von der Geschäftsidee begeistert. Erst hab ich als freie Mitarbeiterin das Projekt unterstützt und irgendwann bin ich voll eingestiegen.

Was bedeutet vegane Mode für dich?

Für viele ist vegane Mode „Fashion ohne Tier-Substanzen“. Für uns ist es viel mehr. Es ist eine Lebenseinstellung. Der Schritt zu veganer Mode ist ein Schritt von vielen. Ein Beispiel: Mir fällt auf, dass bei der Ernährung viele Leute – gerade Neu-Veganer oder sogenannte Fitness-Veganer – „vegan“ oft mit „gesund“ oder „bio“ gleichsetzen. Dass zu guter Ernährung aber nicht nur gehört, dass man sich vegan ernährt, sondern auch, dass man gute Lebensmittel einkauft, finden viele erst später raus. Ähnlich ist es für uns mit der veganen Mode. Es geht bei diesen Modestyles auch darum, ob sie fair produziert werden oder ob im Produktionsprozess wenig bis keine Chemie verwendet wird. Vegan ist bei Mode auf jeden Fall ein erster sinnvoller Schritt. Kein Mensch kann überall tief ins Detail gehen, aber jeder kann anfangen mehr Fragen zu stellen.

Im Shop kommen immer schöne Neuheiten. Wie viele Marken und Produkte habt ihr mittlerweile?

Wir haben momentan 100.000 nachhaltige Produkte von 500 Händlern. Nicht alle unsere Produkte sind vegan, aber wir merken, dass viele Händler sich um eine vermehrt vegane Produktion kümmern. Beispielsweise verzichten Hersteller von Öko-Jeans mehr und mehr auf Lederbatches oder Schuhhersteller eröffnen vegane Produktlinien. Hier gilt: Die Nachfrage bestimmt das Angebot, und der Markt hat begriffen, dass viele sich vegane Produkte im Textilbereich wünschen.

Du kommst frisch von der Fashion Week. Warum besuchst du jedes Jahr den Greenshowroom + Ethical Fashion Show in Berlin für Avocadostore.de?

Im Greenshowroom sind besonders für uns die Neuheiten interessant. Darüber hinaus zeigen viele unserer Designer während der Fashion Week ihre neuen Kollektionen. Und man bekommt einen Marktüberblick über Trends und Entwicklungen. Wir konnten zum Beispiel beobachten, dass in den letzten Jahren auch mehr ältere Player dabei sind, die begriffen haben, dass sie sich umstellen müssen um den Anschluss nicht zu verlieren.

Was waren für dich die Highlights auf der letzten Fashion Week?

Besonders schön fand ich, dass das Niveau der nachhaltigen Fashion-Labels insgesamt sehr gestiegen ist. Früher war die Mode eher schlicht und die Farbenvielfalt nicht so groß. Inzwischen gibt es für verschiedene Styles auch passende Designmarken – von sportlich, mondän bis hin zu elegant und Haute Couture. Es gibt fast alles inzwischen in Eco-Qualität. Da die Nachfrage da ist, trauen sich die Modemarken auch mal was auszuprobieren. Das ist auch wichtig, um sich von anderen Labels zu differenzieren.

Was wird es Neues in der „grünen“ Mode für das Frühjahr/Sommer 2017 geben? 

Ich bin ein großer Fan von Print- und Druckstoffen und freue mich, dass es im nächsten Frühjahr auch viele bedruckte Stoffe geben wird. Moderne Prints, die nicht nur auf Shirts zu finden sind, sondern auch auf Hosen und Kleidern. Parallel ist auch ein gewisser Minimalismus zu beobachten. Tolle Kombiteile, die modern und lässig geschnitten sind und rein optisch nicht mehr von herkömmlichen hippen Marken zu unterscheiden sind.

 

Wohin gehen die Trends und Innovationen im Bereich Eco Fashion und veganer Mode?

Hier ist und bleibt Kork ein Trend – egal, ob als Lederersatz zum Beispiel bei Bikerjacken oder bei Schuhen. Es gab Hersteller, die sowohl Sneaker als auch Highheels aus Kork präsentiert haben. Auch Materialtrends wie Ananasleder sind spannend. Auf der Fashion Week hat man dann auch die Chance, solche Prototypen mal anzufassen und Fragen zu stellen. Ich habe Ananasledermaterial gesehen, was sogar gold eingefärbt war. Das ist dann eigentlich Ananasfaser, gleicht aber optisch und haptisch Leder und kann für Gürtel, Schuhe oder Taschen verwendet werden. Die Fashion Branche sucht nach nachhaltigen Materialien, die möglichst vegan sein sollen und so wird gerade viel experimentiert – zum Beispiel auch mit Brennnesselfaser.

Viele „grüne“ Label bieten mittlerweile vegane Mode an? Wie kommt das bei den Kunden an? Ist die Nachfrage groß? Welche Designer gibt es dazu bei Euch im Shop?

Wir haben viele Kunden, die sich sehr freuen, dass es inzwischen eine so große Vielfalt an veganen Marken gibt. Die Nachfrage ist vor allem bei veganen Jeans und Schuhen groß, aber auch bei Portemonnaies und Gürteln. Manche Labels produzieren noch nicht alles vegan. Da bekommen wir dann auch mal eine Email von einem Kunden, mit der Bitte, diese an die Marke weiterzuleiten, in der Hoffnung, die Marke zur einer hundertprozentigen veganen Produktion zu bewegen. Es gibt bei uns sehr viele Label. Zu den Pionieren gehören sicherlich Schuhlabel wie Ethletics und ekn, aber auch Modemarken wie bleed clothing oder Mud Jeans.

Viele Designer, die in Berlin ausgestellt haben, sind auch auf Avocadostore.de vertreten wie Jan’n June? Was können wir von ihnen im nächsten Jahr erwarten? 

Jan’n’ June macht viel mit Schnitt und Material. Diese Styles eignen sich super als Statement-Teile, sind aber aufgrund der schlichten Farbgebung auch toll mit anderen Sachen kombinierbar, die man eh schon im Schrank hat.

Im Greenshowroom geht es ja nicht nur um ökologische Materialien, sondern um viel mehr. Was sind für eure Kunden die wichtigsten Kaufkriterien bei Mode?

Wir kriegen sehr viel Feedback von unseren Kunden, sowohl schriftlich als auch telefonisch. Um noch mehr zu erfahren, haben wir letztes Jahr ein kleines Survey durchgeführt und genau diese Frage gestellt. Dabei kam heraus, dass unseren Kunden eine soziale und faire Produktion sehr wichtig ist. Danach wünschen sie sich einen geringeren Schadstoffgehalt in den Textilien. Auf Platz drei kam auch schon das Kriterium „vegan“. Für mich persönlich ist das ideale Produkt eine Kombination aus allen drei Argumenten: Weder Tier noch Mensch mussten für das Produkt leiden, und es gibt keine Chemierückstände in der Kleidung.

Vielen Dank für das spannende Interview. Wir freuen uns sehr darauf, auch zukünftig mehr vegane Mode auf Avocadostore.de zu entdecken.

 

Bilder mit freundlicher Genehmigung von Avocado Store GmbH.

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