Zur Zeit beherrscht ein Thema die Schlagzeilen, das die Gemüter erhitzt: Der Pferdefleischskandal. Die Fakten sind schnell erklärt. In Deutschland wurden Lasagne-Tiefkühlgerichte entdeckt, in denen Pferdefleisch enthalten ist, neben dem sonst üblichen Rind- oder Schweinefleisch. Was den Zorn „des Verbrauchers“ hervorruft, ist die Tatsache, dass das Pferdefleisch nicht auf den Packungen deklariert wurde. Ein Skandal! Wirklich?

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Natürlich, es ist mehr als nicht in Ordnung, dass dieses nicht korrekt deklariert wurde, keine Frage. Ich möchte als Käufer eines Produktes davon ausgehen können, dass nur das drin steht, was drauf steht. Allerdings: Die Deklarationspflicht in Deutschland schützt auch nicht vor nicht deklarierten Inhaltsstoffen, wenn eine bestimmte Mindestmenge bzw. Anteil am Gesamtprodukt unterschritten wird. Ganz sicher kann man sich also nie sein, sondern nur hoffen, dass der Hersteller lückenlos aufzählt, was alles enthalten ist. Soweit verständlich, dass die Tatsache an sich angeprangert wird, absolut nachvollziehbar, und das ganze soll nicht runtergespielt werden.

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Worüber genau regt der Verbraucher sich auf?

Was mich persönlich – und vermutlich einige andere von euch – allerdings wirklich verärgert, ist die Art und Weise der Berichterstattung. Immer wieder liest man in großen Lettern „SKANDAL!“. Aber worüber regen sich die Verbraucher, die gerne Lasagne mit Fleisch kaufen, eigentlich genau genommen auf? Übrer die mangelnde Deklaration? Oder vielmehr dass sie neben (Teilen von) Rind auch ein wenig Pferd mit verspeist haben? Sie haben sich ja eh dazu entschieden, Tiere zu essen, und das dahinter stehende System der Massentierhaltung hinzunehmen. Und einen Unterschied im Geschmack wird eh niemand feststellen können, es ist ja auch nur beigemischt. Nochmal: Keine Frage, es sollten möglichst alle Bestandteile deklariert sein. Aber das passiert in der Praxis doch sowieso bei vielen Produkten nicht, und da wird nicht gleich jedesmal medial ein Skandal ausgerufen.

Worüber aber genau regen sich Medien und Konsument dann eigentlich so auf? Vielleicht viel mehr, weil es hier um Pferde geht? Wie wäre es, wenn z.B. Golden Retriever drin wäre? Vermutlich ein noch größerer Skandal. Es läuft am Ende mal wieder darauf hinaus, dass der Verbraucher entscheidet, dass Schweine und Rinder (oder diese leckeren Babyrinder, die Kälbchen) selbstverständlich gegessen werden dürfen, während Pferde oder Hunde eben unsere lieben Haus- und Stalltiere sind, für die wir ohne mit der Wimper zu zucken jede Menge Geld beim Tierarzt lassen. Aber eben bitte nicht im Supermarkt, die Verpackungen mit den hübschen Bauernhofbildern sollten schon billig sein. Das erinnert mich an eine ähnliche Schlagzeile in der Zeitung mit den 4 Buchstaben vor wenigen Jahren, die es „pervers“ fand, dass zu einem chinesischem Volksfest tausende von Hunden geschlachtet wurden. Ja, in China essen sie Hunde. Dass hierzulande aber selbstverständlich Spanferkelwettessen stattfinden oder ähnlich sinnvolle Veranstaltungen, wo man sich bis kurz vorm Erbrechen mit Fleisch vollstopft, während ein paar Tausend Kilometer entfernt Menschen an Hunger sterben, das nenne ICH pervers. Nein, sogar PERVERS.

Der wirkliche Skandal

Der eigentliche Skandal ist für mich, wie in diesem Lande Tiere tagtäglich unter erbärmlichsten Umständen gehalten, gequält und getötet werden. Und das ganze vor dem Hintergrund eines Tierschutzgesetzes, das besagt, dass Tiere nur im Sinne eines größeren Interesses (des Menschens) getötet werden dürfen. Gequält werden darf überhaupt kein Tier. Was aber soll dann das Kupieren von Schwänzen, Kastrieren ohne Betäubung oder Weglöten von Schnabelspitzen sein? Spaß? Fleisch wird in Deutschland zudem auch noch in hohem Maße subventioniert, damit der liebe Konsument billiger Fleisch als Gemüse einkaufen kann, und wir die Teile, die wir nicht essen, nach Afrika verschiffen können, damit sie auf den dortigen Märkten ungekühlt und billig verkauft werden, und nebenbei die lokalen Produzenten Pleite gehen lassen. Auch die Kosten für die Beseitigung der immensen Umweltschäden, die eine Massentierhaltung mit sich bringt (Verseuchung von Böden und Gewässern), wird nicht vom Fleischkäufer mit bezahlt, nein, sie werden von allen Steuernzahlern bezahlt. Unser Gesundheitsystem wird nicht zuletzt durch einen viel zu hohen Fleischkonsum – der durch Subventionen gefördert wird – extrem stark belastet. Wer zahlt? Wir alle, auch diejenigen die sich gesund, umweltbewusst und fleischlos ernähren. Aber schreien hier Bürger und Medien lauthals „Skandal!“? Nein, nur gelegentlich wenn mal unappetitliche Bilder aus Massentierhaltungsanlagen auftauchen. Aber nur ganz kurz. Jeder ist aber froh, wenn die auch nach ein paar Tagen wieder verschwinden, damit man wieder genussvoll in ein Stück Fleisch beissen kann.

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DAS ALLES, diesen gesamte System ist für mich ein einziger Skandal. Über den Pferdefleischskandal kann ich nur müde lächeln, und meine Fleisch essenden Mitbürger bitten, mal darüber nachzudenken, was denn wirklich SKANDALÖS ist.

Das gute daran: Mit jedem Fleischskandal steigt die Zahl der Menschen, die kein Fleisch mehr essen, und damit diesem perversen System den Rücken kehren.

Übrigens, schon gehört? In Brandenburg ist aktuell ein neuer Fall von Vogelgrippe festgestellt worden auf einer Entenfarm.

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