„Das Mitgefühl mit allen Geschöpfen ist es, was Menschen erst wirklich zum Menschen macht.“
Albert Schweitzer

Es gibt viele Organisationen und Vereine, die sich für die Tiere und Umwelt stark machen.  Die Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt setzt sich unter der handlungsleitenden Maxime Albert Schweitzers »Ehrfurcht vor dem Leben« für den Schutz und die Rechte der Tiere ein. Als Organisation strebt das Team langfristig die Abschaffung der Massentierhaltung und eine weite Verbreitung der veganen Lebensweise an. Da wir das Team schon etwas länger kennen, ist es uns eine Herzenssache euch diese tolle Organisation und den Geschäftsführer Mahi Klosterhalfen vorzustellen.

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Hallo Mahi, Du bist schon lange in der Tierschutzszene aktiv und hast dich schon als Student engagiert? Wie hat alles begonnen?

Im Jahr 2005 habe ich die Autobiografie von Gandhi gelesen. Eine Stelle darin hat mich nachhaltig beeinflusst: Gandhi war sehr krank und seine Ärzte waren der Meinung, dass er ohne Hühnerfleisch oder Hühnersuppe sterben würde. Gandhi entgegnete, dass er lieber sterben würde, als für den Tod eines anderen Lebewesens verantwortlich zu sein – und gesund wurde er natürlich auch ohne Hühnersuppe. Ich habe daraufhin zum ersten Mal meinen Fleischkonsum hinterfragt: Geht es für mich um Leben oder Tod? Nein. Um was geht es dann? Vor allem um meine Faulheit, mir Alternativen zu suchen und um meinen Verdacht, dass mir vegetarisch nicht schmecken würde. Ist das den Tod anderer Lebewesen wert? Nein.

Daraufhin habe ich beschlossen, einen vegetarischen Testmonat einzulegen. Der war überraschend einfach. Im zweiten Monat habe ich mich dann gefragt, warum manche Menschen auch keine Eier und keine Milch konsumieren. Nach einer kurzen Internetrecherche lag die Antwort auf der Hand und ich beschloss noch vor dem Bildschirm, ab jetzt vegan zu leben.

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Nach einiger Zeit reichte mir nicht mehr, einfach „nur“ vegan zu leben – ich wollte aktiv werden. Mein erstes Projekt war, meinen Mensachef davon zu überzeugen, keine Käfigeier mehr zu verwenden.

Das Thema Käfighaltung beschäftigt dich und die Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt sehr intensiv. Was waren eure größten Erfolge?

Wir haben inzwischen weit über 100 Unternehmen überzeugt, keine Käfigeier mehr zu verkaufen und zu verarbeiten. Dazu zählen die meisten Supermarktketten und Lebensmittelgiganten wie Nestlé und Mondelēz. Häufig können wir auch die so entstandenen Kontakte nutzen, um erfolgreich den Ausbau des veganen Angebots anzuregen. Dabei geht es uns übrigens gar nicht darum, dass alle VeganerInnen die Produkte dieser Unternehmen kaufen, sondern es geht um die ca. 90 % aller Menschen, die ohne viel nachzudenken konsumieren und sich irgendwas in den Einkaufskorb legen. Wenn wir dazu beitragen können, dass immer mehr der gekauften Produkte vegan sind, ist schon viel gewonnen.

Was bedeutet vegan für dich?

Vegan zu leben bedeutet für mich, möglichst viel Tod und Leid zu vermeiden und ein Vorbild zu sein, dem sich viele Menschen anschließen können. Das heißt auch, dass ich »vegan« als relativ leicht umsetzbares Konzept vorlebe und nicht das letzte Mikrogramm jedes Produkts auf potenziell tierliche Herkunft untersuche. Solche Kleinigkeiten erledigen sich von selbst, wenn die Nachfrage nach veganen Produkten weiter wächst.

Was isst du am liebsten? Hast du vegane Lieblingsspeisen oder Lieblingslokale?

Wenn ich für mich selbst koche, dann meistens super simpel, schnell und recht gesund. Zum Beispiel Linsen in Gemüsebrühe kochen und Spinat dazu. Da kann ich nebenbei noch E-Mails beantworten und es schmeckt auch überraschend gut. Für Freunde darf es auch mal aufwendiger und nach Kochbuch sein. Es gibt mehrere Restaurants in Berlin, in die ich sehr gerne gehe, aber wenn ich jetzt versuche, eine Liste zu erstellen, dann ärgere ich mich morgen, dass ich eins vergessen habe oder spätestens in einem Monat, dass ich die jüngste Neueröffnung nicht genannt habe.

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Welche Tipps würdest du Menschen geben, die vegan werden wollen?

Einfach mal loslegen und auf keinen Fall beim ersten Ausrutscher wieder aufhören. Unser vegane Schnupperwoche auf www.vegan-taste-week.de kommt auch sehr gut an. Darüber erhält man eine Woche lang täglich eine E-Mail mit Rezepten, Einkaufstipps und Gesundheits-Infos.

Warum ist die vegane Lebensweise mit dem Tierschutz aus deiner Sicht so stark verbunden?

Viele Menschen kommen über den Tierschutz zur veganen Lebensweise. Es hilft sehr, wenn man z. B. schon mal erkannt hat, dass es Tierquälerei ist, Hennen in kleinen Käfigen zu halten. Über diesen Schritt erkennt man dann früher oder später auch, dass es völlig ungerechtfertigt ist, Tiere für die Lebensmittelproduktion auf maximale Leistung zu züchten und sie früher oder später zu töten. Und dann öffnen sich auch viele Menschen für den Gedanken, dass das Töten eines Tieres ohne extrem wichtigen Grund nicht zu vertreten ist und dass es im Alltag solche wichtigen Gründe gar nicht gibt.

Du bist schon seit einigen Jahren Geschäftsführer der Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt und euer Team wächst zusehends. Was ist deine Hauptaufgabe und was ist deine größte Herausforderung?

Meine größte Herausforderung ist, zu lernen, wie man eine wachsende Stiftung überhaupt führt. Am Anfang war ich noch der einzige Mitarbeiter. Kaum hatte ich da den Bogen raus, wurden wir ein kleines Team und neue Anforderungen kamen auf mich zu. Bei inzwischen 25 Personen sind es wieder ganz andere Anforderungen.

Meine Hauptaufgaben sehe ich darin, die Effektivität der Stiftung kontinuierlich zu erhöhen, das weitere Wachstum voranzubringen und Strukturen zu schaffen, die effektives, effizientes und zufriedenes Arbeiten ermöglichen.

**Hier könnt ihr das gesamte Team der Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt kennenlernen.**

Welchen peinlichen Moment hast du als Geschäftsführer erlebt?

Am Anfang habe ich noch alleine im Home-Office gearbeitet. Eine Woche nach meinem Umzug nach Berlin klingelte es an der Tür und unten standen zwei Mitarbeiterinnen einer anderen Organisation, die sich mal unser Büro anschauen wollten. Vorgefunden haben sie aber eine Privatwohnung, in der überall noch die Umzugskisten herumstanden.

Wie können sich Menschen bei euch engagieren und den Tierschutz im Alltag unterstützen?

Das geht los mit kleinen Dingen wie unsere Petitionen zu unterschreiben. Wer etwas mehr tun möchte, bestellt und verteilt unsere Selbst-Wenn-Broschüre, die den Einstieg in eine vegane(re) Ernährung anregt und erleichtert. Außerdem kann man sich in unseren Aktionsgruppen engagieren, die es in immer mehr Städten gibt. Eine Zusammenfassung der Möglichkeiten findet man hier auf unserer Webseite.

Außerdem sind Spenden und Förderschaften essenziell für den weiteren Ausbau unserer Arbeit. (Mehr Infos)

Was steht 2016 noch an? Gibt es große Projekte, die wir nicht verpassen sollten?

Vieles! Wir konnten z. B. kürzlich dafür sorgen, dass ein gravierender Übersetzungsfehler in der EU-Schweinehaltungsrichtlinie korrigiert wurde. Davor mussten Schweine nur einen „angemessenen“ Liegebereich haben – was auch immer das sein soll. Jetzt muss er angenehm sein, wovon wir in Deutschland und im Grunde auch in ganz Europa meilenweit entfernt sind. Da werden wir jetzt Druck machen und gleichzeitig die Verbraucher informieren, unter welchen Bedingungen Schweine gehalten werden. Außerdem werden wir ihnen zeigen, dass die vegane Ernährung die beste Möglichkeit ist, solche grausamen Zustände nicht mitzufinanzieren.

Und auch sonst haben wir noch einiges in petto. Am besten abonniert man unseren Newsletter, um auf dem Laufenden zu bleiben.

Wie findest du das Online-Magazin Deutschlandis(s)tvegan und wer sollte unbedingt bei uns vorbeischauen?

Super! Kompliment auch für den neuen Online-Auftritt! Vorbeischauen sollten am besten alle, die vegan leben oder sich für die vegane Lebensweise interessieren.

Was magst du unseren Lesern noch auf den Weg geben?

Konsum ist sehr wichtig und noch viel wichtiger ist jede Form von Engagement. Ob passiv über Spenden oder aktiv: Die Tiere und die vegane Idee brauchen eure Unterstützung!