Eine Frau hat es geschafft, die Sportwelt auf den Kopf zu stellen. Sie geht mit Fußballern und Eishockeyspielern Superfoods einkaufen, vegan shoppen und plaudert mit deren Physiotherapeuten und dem Nationalmannschaftskoch Holger Stromberg über die vegane Ernährung. „Ich will die Bundesliga veganisieren“, sagte sie einmal. Und sie ist auf einem guten Weg. Sie unterstützt vermehrt Sportler bei der Gestaltung der Speisepläne und macht Einkaufsberatung. Und das nehmen die Sportler sehr gerne an. Wir kennen die engagierte Aleksandra Keleman schon eine Weile und verfolgen ihren leidenschaftlichen Einsatz seit vielen Jahren. Heute möchten wir euch Aleksandra im Interview näher vorstellen.

Aleksandra Keleman

Foto: Stefan Höning Photography

Hallo Aleksandra, schön, dass du Zeit für uns gefunden hast. Was muss man denn über dich wissen?

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Ich bin 22 Jahre alt und studiere Wirtschaftsingenieurswesen. Seit fünf Jahren beschäftige ich mich mit dem Thema „Auswirkung der Ernährung auf die Leistungsfähigkeit“. Ich sammle Erfahrungen von Menschen, die im Leistungssport tätig sind, erprobe an mir selbst, welches Essen mich wach und welches mich müde macht und aktualisiere die Ergebnisse stetig in der „Superstar Formel“, welche ich später als Buch veröffentlichen möchte.

Dein Engagement mit der Kreide hat dir auch Ärger gebracht, was war da los?

Wir hatten lange Zeit das Gefühl, dass das Thema Tierhaltung und die damit verbundenen Auswirkungen auf den Planeten von den Medien totgeschwiegen wurde und man einfach nicht über dieses gruselige Thema öffentlich reden wollte. Wir wollten eine Situation schaffen, in der es schwerer fällt zu sagen „ich habe davon nichts gewusst“. Deshalb haben wir monatelang „Earthlings“ auf die Bürgersteige gekreidet. Ich denke, dass die Dokumentation Earthlings dadurch zum Stadtgespräch wurde. „Ach, Earthlings, gell?“ wurden wir oft gefragt, wenn wir am Boden knieten und noch nicht mal den ersten Buchstaben gekreidet hatten. Klar, dass das nicht überall auf Gegenliebe gestossen ist. Einem Herrn vom Amt waren die Earthlings-Kreideschriftzüge ein Dorn im Auge: kein grosses Ding, die Anzeige wurde eingestellt. Beim nächsten Regen ist jeder Schriftzug verschwunden.

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Wie lange lebst du schon vegan und was sind deine Motive?

Ich ernähre mich seit fünf Jahren vegan. Am Anfang ging es mir nur darum, mich gesünder zu ernähren, später hab ich die globalen Zusammenhänge der menschlichen Ernährung kennengelernt. Die beindruckendsten Filme in diesem Zusammenhang sind für mich nach wie vor Gabel statt Skalpell (Gesundheit), Earthlings (Ethik) und Cowspiracy (Umwelt). Wenn man Cowspiracy gesehen hat, fragt man sich schon, ob wir Menschen noch rechtzeitig die Kurve bekommen. Dieser Film motiviert mich mehr als jeder andere Film, Mitmenschen zu informieren.

Frankfurter Veganerin mischt Bundesliga auf, das stand mal in der Bild Zeitung, was steckt dahinter?

Dahinter steckt meine Bestrebung, dem Leistungssport die basische, entzündungshemmende Ernährung näher zu bringen zwecks Leistungsmaximierung und Verletzungsminimierung. Die anfängliche Skepsis hat sich in großes Interesse gewandelt. Die Sportler wünschen sich Speisepläne und Einkaufsberatung. Bei Restaurantbesuchen sehen sie, was vegan alles möglich ist. Das Erstaunen ist immer wieder groß, dass man bei vielen Gerichten gar keinen Unterschied schmecken kann zu den tierischen Varianten.

Wen konntest du denn schon für das Thema begeistern aus der Liga?

Luca Waldschmidt von Eintracht Frankfurt, Daniel Adlung von 1860 München, Marc Rzatkowski vom FC St. Pauli, Ronny Philp vom FC Heidenheim, Diego Demme von Red Bull Leipzig, Laura Feiersinger von Bayern München, Vanessa Martini, Sarah Freutel, Janina Meissner von der SGS Essen u.a. Die positivste Gesamtentwicklung sehe ich zurzeit bei Red Bull Leipzig, die sogar einen Kräutergarten am Trainingszentrum haben und ihre Spieler auf Unverträglichkeit testeten.

Und welche anderen Sportler konntest du vegan schon näher bringen?

Sebastian Osterloh, DEL Eishockeyspieler, Thomas Bauer, österreichischer Nationalmannschaftstorwart Handball, Simon Geschke, Tour de France Fahrer, Felix Maly, Eisschnelläufer, Andreas Späck, Nationalmannschaftstorwart Hockey, Moritz Schenkel, Nationalmannschaftstorwart Wasserball, Julian Albus, Tübingen Tigers Basketball u.a. Es gibt also keine Sportart, die besser oder schlechter auf das Thema anspringt. Wobei sich die 1. Bundesliga Hockey Herren Mannschaft Blau-Weiss Berlin mit bereits sechs veganen Spielern und dem veganen Trainer positiv abhebt.

Was war deine schönste Erfahrung in der Sportwelt?

Die schönste Erfahrung in der Sportwelt war für mich der Fussballweltmeistertitel 2014, weil die deutsche Mannschaft die leichter zu verdauenden Pflanzenmilchprodukte verwendet hat.

Sport und Vegan, was sagst du persönlich dazu?

Eine basisch-vegane Ernährung, inklusive Supplementierung von B12 und Vit D + K2, Omega3 DHA EPA aus Algenöl führt zu schnellerer Entsäuerung der Muskulatur und damit kürzeren Regenerationszeiten der Athleten. Sportlerinnen und Ausdauerathleten sollten ihren Ferritinwert im Auge behalten und gegebenenfalls supplementieren. Das gilt insbesondere für Nicht-Veganer, da Tiermilchprodukte und Eier die Eisenaufnahme hemmen.

Wie sieht dein typischer Ernährungstag aus?

Kein Tag sieht bei mir gleich aus. Mal gibt es Brote mit Aufstrichen (am besten angekeimtes Brot), mal Müsli mit Hafermilch. Aber am besten wird das Frühstück, wenn man es mit einem grünen Smoothie kombiniert. Je mehr „grünblättriges“ man in seinen Alltag integriert, desto besser. Zum Mittagessen oder Abendessen kommen verschiedene Grundnahrungsmittel wie Hirse, Buchweizen, Quinoa, Wildreis, Linsen, Erbsen zum Einsatz, die mit gedünstetem Gemüse und Saucen aus Erdnüssen, Mandeln, Cashews oder Kokosnuss kombiniert werden.

Was isst du alles?

Die Bandbreite meines Essens wird von Jahr zu Jahr größer, weil man immer mehr Pflanzen kennenlernt. Als nächstes möchte ich möglichst viele verschiedene Wildkräuter kennenlernen. Einen sehr großen Leistungszuwachs bei Sportlern verspreche ich mir durch Keimen und Fermentieren, da die Energiebilanz durch die leichtere Verdauung nochmals gesteigert wird. Besonders spannend sind natürlich Städtereisen, weil man so immer neue Restaurants und Gerichte entdecken kann. Ich wünschte, die Profis hätten mehr Freizeit bei den Auswärtsspielen und könnten sich via Happycow oder Vanilla Bean die hochwertigsten Restaurants aussuchen.

Hast du ein veganes Lieblingsgericht?

Raw Mousse Au Chocolat: 1 Banane, 1 Avocado und 3 Esslöffel rohes Kakaopulver mit einem Schuss Hafermilch pürieren.

Wer ist dein Vorbild generell und in der veganen Welt?

Mein Vorbild ist Gary Yourofski, der mit bedingungslosem Einsatz weltweit darüber aufklärt, was nicht-vegane Ernährung für Tiere, Menschen und die Umwelt bedeutet. Seine Reden, seine brillante Argumentation haben mich sehr geprägt.

Was ist der erste Schritt beim Einstieg in die vegane Lebensweise?

In den nächsten Biosupermarkt gehen und entdecken, was es alles leckeres gibt an veganen Käsen, Jogurts, Burger, Schokoladen etc.

Du kommst aus Frankfurt, welche veganen Locations kannst du wärmstens empfehlen?

Vevay und Veganz, den veganen Supermarkt. Fleischliebhabern kann ich das Sampan empfehlen. Die veganen Fleischgerichte dort sind kaum von Fleisch zu unterscheiden.

Du hast von der Expansion von Veganz mit dm gehört? Was sagst du zu diesem Quantensprung?

Schön, dass pflanzliche Lebensmittel, Schokoladen, Pflanzendrinks, Proteinpulver, Sportriegel etc. jetzt in allen Teilen Deutschlands verfügbar sind. Ich würde mich für die Zukunft sehr über Sportriegel mit gekeimten Zutaten freuen.

Was hast du 2016 noch alles vor?

2016 möchte ich einige Profi-Sportler interviewen, wie sich die Ernährungsumstellung auf ihre Leistungsfähigkeit ausgewirkt hat. Die Rückmeldungen, die ich von den Sportlern bekomme, sind wirklich beeindruckend im Hinblick auf besseren Schlaf, leichtere Verdauung, schnellere Regeneration, höhere Ausdauer, schnelle Entsäuerung der Muskulatur etc. Ich vermute, dass dadurch 2016 sehr viele Leistungssportler ihrem Beispiel folgen werden.

Was magst du unseren Lesern noch auf den Weg geben?

Habt keine Angst vor Neuem, probiert aus wie die Weltmeister und lest Zutatenlisten. Wenn mal was nicht schmeckt, probiert einfach was anderes.

Lieben Dank für das tolle Interview liebe Aleksandra. Wir wünschen dir weiterhin viel Erfolg. 

Aleksandra wird uns zukünftig mehr Einblicke in die vegane Sportwelt gewähren und ihre Gespräche und Erfahrungen mit uns teilen. Wir freuen uns sehr darauf. Mehr über Aleksandra findet ihr auf Facebook.

 

Fotos mit freundlicher Genehmigung von Aleksandra Keleman