Vegan ist bunt. Vegan ist vielfältig. Vegan ist spannend, von A bis Z. Heute geht es weiter mit der Serie „The Vegan ABC“. In Zukunft werdet ihr alle 14 Tage – jeden zweiten Dienstag – über ein Thema aus der veganen Welt lesen, ob über „B-Vitamine“ bei B, „Genuss“ bei G oder „Zukunft“ bei Z. Viel Spaß!

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Vegan ABC - W wie wissen wollen„Wieso, weshalb, warum? Wer nicht fragt, bleibt dumm.“ Die meisten, die in etwa in meinem Alter sind, werden sich noch gut an die Titelmelodie der Sesamstraße erinnern. Schon früh lernten wir kleinen Menschen, dass es erlaubt und wichtig ist, Fragen zu stellen, und dass diejenigen, die das nicht tun, eben dumm bleiben – und wer will das schon? Neugierig zu sein, alles genau wissen zu wollen, Dinge zu erforschen, das ist ein Grundbedürfnis, dessen Erfüllung Spaß macht und dazu noch einen Vorteil verschafft – wer mehr weiß, hat eben auch meistens die Nase vorn.

Wissen und Gewissen

Wissen hat aber auch einen Nachteil – es bringt Verantwortung mit sich. Wenn ich etwas weiß, dessen Kenntnis eigentlich zwangsläufig zu einer bestimmten Handlung führen sollte, ich diese aber nicht vornehme, kriege ich Schwierigkeiten. Und zwar mit meinem Gewissen. Und das ist ziemlich unangenehm. Um nun dem Bogen zum Veganismus zu spannen: Meine vegane Laufbahn begann – wie schon an anderer Stelle erwähnt – mit dem Lesen von „Eating Animals“ von J. F. Foer. Bis zu dem Zeitpunkt hatte ich ziemlich lange für „Bio-Fleisch“ geworben, Fleisch aus Massentierhaltung kategorisch abgelehnt, mir aber sonst nicht viele weitere Gedanken gemacht. Mein Wissen, das diese Einstellung stütze, beruhte vor allem auf der herrschenden Meinung, dass „Bio“ hui und Massentierhaltung pfui sein, auf Aussagen sogenannter Fachleute, die man ab und zu im Fernsehen sah und auf weiteren ominösen Quellen, deren Herkunft mir mittlerweile schleierhaft ist. Dieses Wissen reichte mir vollkommen – bis ich die Inhaltsangabe zu „Eating Animals“ las. Ab diesem Zeitpunkt wollte ich es einfach wissen – die Wahrheit über die (Massen-)tierhaltung. Und als ich es gelesen hatte, hatte ich keine andere Wahl mehr. Mein Wissen und mein Gewissen besprachen sich kurz, und präsentierten mir dann das Ergebnis: Heute beginnt der erste Tag deines Veggie-Lebens.

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Nicht wissen wollen

Wissen kann einen also schon fast dazu zwingen, sich in eine bestimmte Richtung zu bewegen, wenn es mit dem Gewissen gemeinsame Sache macht. Ich hatte zumindest damals nicht das Gefühl, eine Wahl zu haben (es sei denn, ich wollte mir mein Leben lang Vorwürfe über mein eigenes Verhalten machen). Weil die Änderung des eigenen Verhaltens aber auch unbequem sein kann, halten es viele Menschen mit den drei Affen – nicht sehen, nicht hören, nicht sprechen. Das kann zwar auch anstrengend sein, scheint für viele aber immer noch leichter zu sein, als sich mit der Wahrheit auseinanderzusetzen. Solange ich nicht wirklich weiß, was Spaltenböden sind, solange ich keine Ahnung habe, was mit den Kälbern der Milchkühe passiert, solange mir verborgen bleibt, wie hoch die Fehlbetäubungsraten im Schlachthof sind – so lange kann ich ohne schlechten Gewissens auch Mittags mein Jägerschnitzel essen.

Wütend macht es mich schon des Öfteren, wenn mich jemand erst danach fragt, warum ich mich vegan ernähre, und mich dann in meinen Ausführungen unterbricht mit der Antwort „Hör bloß auf, das ist so schrecklich, das will ich lieber gar nicht wissen!“. Aber auch wenn es seltsam klingt – seine Denkweise kann ich nachvollziehen, verhalte ich mich im Kleinen doch oft ähnlich: Wenn ich Mittags in der Kantine die Spaghetti wähle, frage ich nicht jedes Mal, ob sie Eier enthalten. Bei Weinen erkundige ich mich auch nicht immer nach der Art der Klärung, und wenn jemand veganen Kuchen backt, stelle ich auch keine Nachfrage nach der vollkommenen Milchfreiheit der Margarine. Auch ich lebe immer noch nach dem Motto: „Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß!“

Wissen wollen

Aus diesem Grund bin ich immer sehr dankbar für Menschen, die sich ehrlich für die Thematik Veganismus oder Tierrechte interessieren. Die mir zuhören und nicht gleich mit provokanten Gegenargumenten um sich werfen. Die tatsächlich wissen wollen was so an furchtbaren Dingen abläuft, damit wir Fleisch, Eier und Milch verzehren können. Auch sie ändern nicht sofort ihr Verhalten – vielleicht auch nie. Aber sie halten sich zumindest nicht die Ohren zu und lassen das Wissen, das ich ihnen vermitteln will, an sich heran. Was sie dann letztendlich mit diesem Wissen anfangen, und ob sich später vielleicht ihr Gewissen regt – darauf habe ich keinen Einfluss mehr. Aber es besteht zumindest die Möglichkeit, dass auch bei ihnen irgendwann das Tröpfchen Wissen eindringt, das das Fass zum Überlaufen bringt, und sie überzeugt sagen können: Heute beginnt der erste Tag meines Veggie-Lebens.

 

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