Vegan ist bunt. Vegan ist vielfältig. Vegan ist spannend, von A bis Z. Heute geht es weiter mit der Serie „The Vegan ABC“. In Zukunft werdet ihr alle 14 Tage – jeden zweiten Dienstag – über ein Thema aus der veganen Welt lesen, ob über „B-Vitamine“ bei B, „Genuss“ bei G oder „Zukunft“ bei Z. Viel Spaß!

 

Heute war ich mal wieder bei meinem wöchentlichen Großeinkauf. Das macht nicht immer Spaß, aber eigentlich meistens – und heute ganz besonders. Ich hatte nämlich ein Ziel. Im Kühlregal, irgendwo beim Tofu und den ganzen anderen Veggie-Sachen (von denen es mittlerweile schon fast erschreckend viele gibt im Supermarkt meines Vertrauens). Ich musste mich zusammenreißen, nicht gleich nach Eintreten mit meinem leeren Einkaufswagen in die rechte hintere Ecke des Marktes zu preschen – womöglich hätte ich noch jemanden verletzt. Und da Vorfreude ja bekanntlich die… naja… zweitschönste Freude ist, tingelte ich mit dem Wagen erst einmal zur Pasta, vorbei an der Reismilch, dann noch zu den Dosentomaten… bis ich dann doch vor dem Kühlregal stand.

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Veganer Käse

Und da waren sie – die Wilmersburger Scheiben. Die Welt ist doch verrückt. Veganer Käse im Supermarkt. Im Supermarkt!!! Während Fleischersatzprodukte schon seit langen Jahren zur Grundausstattung der meisten Läden gehören, fristete der Käseersatz bisher immer ein Schattendasein – allerhöchstens in Form von Streichkäseersatz konnte man ihn kaufen. Und ich gebe zu – auch ich war bisher nicht wirklich überzeugt von dem, was man mir auf diversen Veggie-Worlds und Street Days so an Käsenachbildung unter die Nase gehalten hatte.

Und jetzt lagen sie bei mir im Einkaufswagen, die Wilmersburger Scheiben – und ich war glücklich, ohne sie überhaupt probiert zu haben. Den Rest des Einkaufs absolvierte ich auf Wolke sieben. Seltsam war, dass ich mir fast ein wenig komisch vorkam, mit dem „Käse“ im Einkaufwagen. Optisch ist er nämlich von gewöhnlichem Kuhmilch-Käse nicht zu unterscheiden. Was, wenn jetzt jemand, der mich kannte, zufällig an mir vorbeiging und mich somit fälschlicherweise der Inkonsequenz überführte? Die Veganer-Polizei lauert schließlich überall, immer darauf erpicht, das nicht vegane Haar in der veganen Suppe zu finden. Glücklicherweise konnte ich den Supermarkt unerkannt verlassen.

Zuhause mussten wir die neue Errungenschaft natürlich gleich testen – und waren begeistert. Ich finde, die Scheiben schmecken wie milder Edamer, von der Konsistenz her sind sie eher wie junger Gouda. Für mich, die auch zu Kuhmilch-Käse-Zeiten jeden Käse, den man auf mehr als einem halben Meter Abstand noch riechen konnte, dankend abgelehnt hat, die perfekte Kombination. Das nächste Mal lege ich noch ein paar Gurkenscheibchen drauf – großartig.

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Neue vegane Produkte

Warum hat mich diese ganze Aktion eigentlich so gefreut, fragte ich mich später. Neue vegane Produkte lerne ich schließlich immer wieder kennen, ohne mich dabei so zu fühlen, als sei ich frisch verliebt. Und bisher habe ich Käse wirklich überhaupt nicht vermisst, in keiner Hinsicht.

Aber irgendwie ist es schon toll, dass es überhaupt möglich ist, Käse so täuschen echt nachzubilden. Schon alleine aus ästhetischen Gründen. Fleischersatzprodukte hin oder her – so richtig echt sehen die dann doch meist nicht aus – und das finde ich auch ganz gut so. Aber beim Käse-Ersatz können die Food-Designer sich ruhig austoben – ich freue mich schon darauf, jemandem ein Käsebrot anzubieten und seine Frage, ob ich denn keine Veganerin mehr sei, zu beantworten.

Vegane Revolution

Was mich aber wirklich besonders euphorisch hat werden lassen ist die Tatsache, dass es weiter vorangeht mit der veganen Revolution. Ich habe immer das Gefühl, dass das Ganze in Schüben passiert. Eine ganze Weile wartet man darauf, dass die Verhältnisse sich ändern, redet, demonstriert, überzeugt, und doch tut sich nichts. Und dann, plötzlich, ergeben sich wieder ungeahnte Möglichkeiten. In der Kantine meines Arbeitgebers gibt es seit einiger Zeit fast jede Woche ein veganes Gericht. Jedes Mal, wenn ich es auf der Karte sehe, freue ich mich wie ein Kind. Und jetzt gibt es im Supermarkt (!) eben veganen Käse.

Der Veganismus fängt an, „normal“ zu werden. Oder zumindest „normaler“. Menschen, die sich rein pflanzlich ernähren wollen, sind keine Randerscheinung mehr. Immer mehr Produkte gibt es im Supermarkt zu kaufen, und wir müssen uns nicht mehr in die hintere Ecke des Reformhauses schleichen. Unsere Nachfrage kommt an und wird bedient. Wir können die Brust recken und den Kopf hoch tragen und rufen:

Es lebe die vegane Käse-Revolution!