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Eigenes Gemüse ernten, morgens frische Kräuter vom Balkon holen, im Sommer Tomaten pflücken und einen Teil der Ernte für den Winter haltbar machen: Selbstversorgung klingt für viele erst einmal nach großem Garten, viel Arbeit und möglichst vollständiger Unabhängigkeit vom Supermarkt.

Dabei kann Selbstversorgung viel kleiner anfangen.

Du brauchst weder einen Bauernhof noch 1.000 Quadratmeter Garten. Ein Balkonkasten mit Rucola, ein Topf mit Kräutern oder selbst gezogene Sprossen auf der Fensterbank sind bereits ein Anfang.

Und genau darum geht es: nicht von heute auf morgen autark zu werden, sondern wieder mehr darüber zu wissen, wo unsere Lebensmittel herkommen, wann sie wachsen und wie wir einen Teil davon selbst anbauen können.

In diesem Guide zeigen wir dir, wie du als Anfänger mit der Selbstversorgung starten kannst, welche Pflanzen besonders unkompliziert sind, wie viel Platz du wirklich brauchst und was sich auf kleiner Fläche besonders lohnt.

Selbstversorgung für Anfänger: Schritt für Schritt anfangen

Selbstversorgung muss nicht bedeuten, dass du nie wieder einen Supermarkt betrittst.

Für uns bedeutet Selbstversorgung zunächst, einen Teil der Lebensmittel, die wir essen, wieder selbst anzubauen oder herzustellen.

Das kann ganz unterschiedlich aussehen:

  • Kräuter auf der Fensterbank
  • Sprossen in der Küche
  • Salat und Radieschen auf dem Balkon
  • Tomaten und Erdbeeren in Kübeln
  • ein eigenes Hochbeet
  • ein kleiner Gemüsegarten
  • Obstbäume und Beerensträucher
  • Lebensmittel fermentieren, trocknen oder einkochen

Du entscheidest selbst, wie weit du gehen möchtest.

Wenn du dich tiefer mit dem Gedanken beschäftigen möchtest, findest du in unserem Beitrag Der Weg zur Selbstversorgung weitere Inspiration rund um ein selbstbestimmteres Leben und den eigenen Anbau.

Selbstversorgung ist kein Alles-oder-nichts-Projekt. Gerade als Anfänger ist es sinnvoll, klein anzufangen und jedes Jahr etwas dazuzulernen.

Wie viel Platz braucht man für Selbstversorgung?

Weniger, als viele denken.

Natürlich kannst du mit einem großen Grundstück wesentlich mehr Lebensmittel anbauen. Für den Einstieg reichen aber bereits wenige Quadratmeter.

Dein PlatzWas du anbauen kannst
FensterbankKräuter, Kresse, Sprossen, Microgreens
kleiner BalkonKräuter, Salat, Rucola, Radieschen, Erdbeeren
größerer Balkon/Terrassezusätzlich Tomaten, Paprika, Mangold, Bohnen
1–2 HochbeeteSalate, Kräuter, Radieschen, Möhren, Mangold, Kohlrabi
kleiner GartenGemüse, Kräuter, Beeren, Kartoffeln, Obst
größerer Gartenumfangreicher Gemüseanbau, Obst, Kartoffeln und Vorratsanbau

Das Wichtigste ist deshalb nicht zuerst die Grundstücksgröße, sondern den vorhandenen Platz sinnvoll zu nutzen.

Selbstversorgung ohne Garten: Fang auf der Fensterbank an

Du hast keinen Garten und vielleicht nicht einmal einen Balkon?

Dann sind Sprossen und Microgreens ein wunderbarer Einstieg. Dafür brauchst du kaum Platz und kannst teilweise bereits nach wenigen Tagen etwas ernten.

Möglich sind beispielsweise:

  • Brokkolisprossen
  • Radieschensprossen
  • Mungbohnensprossen
  • Linsensprossen
  • Kresse
  • Erbsensprossen

Sprossen kannst du sogar das ganze Jahr über ziehen.

In unserem Artikel Selbst versorgen – so einfach kannst du anfangen findest du weitere Ideen für die Selbstversorgung auf kleiner Fläche.

Die besten Pflanzen für Selbstversorger-Anfänger

Am Anfang würde ich nicht versuchen, 30 verschiedene Gemüsearten anzubauen. Such dir lieber einige unkomplizierte Pflanzen aus, die du wirklich gerne isst.

Radieschen sind perfekt für Ungeduldige. Sie wachsen schnell, benötigen wenig Platz und funktionieren im Beet, Hochbeet und Balkonkasten.

Pflücksalat kannst du über einen längeren Zeitraum ernten. Statt den gesamten Salatkopf abzuschneiden, erntest du immer wieder die äußeren Blätter.

Rucola wächst ebenfalls schnell und benötigt nur wenig Platz.

Kräuter gehören für uns zu den besten Einstiegspflanzen überhaupt. Petersilie, Schnittlauch, Basilikum, Minze, Thymian oder Salbei lassen sich je nach Standort auch auf kleiner Fläche anbauen.

Tomaten benötigen etwas mehr Pflege, belohnen dich dafür aber mit einer langen Erntezeit. Viele Sorten funktionieren hervorragend in ausreichend großen Kübeln auf Balkon und Terrasse.

Zucchini brauchen deutlich mehr Platz, können dafür aber enorme Mengen produzieren. Häufig reichen für einen kleinen Haushalt bereits ein oder zwei gesunde Pflanzen.

Mangold ist unkompliziert und kann über einen langen Zeitraum beerntet werden. Schneide einfach immer wieder die äußeren Blätter ab.

Erdbeeren und Beerensträucher sind besonders interessant, weil sie mehrjährig sind und nicht jedes Frühjahr komplett neu ausgesät werden müssen.

Kartoffeln sind ein schönes Selbstversorgerprojekt für Anfänger. Sie können sogar in großen Pflanzsäcken oder geeigneten Gefäßen angebaut werden.

Was lohnt sich besonders, selbst anzubauen?

Wenn du wenig Platz hast, würde ich nicht unbedingt versuchen, Lebensmittel anzubauen, die im Supermarkt besonders günstig sind.

Interessanter sind Pflanzen, die:

  • relativ teuer zu kaufen sind
  • wenig Platz benötigen
  • regelmäßig beerntet werden können
  • frisch besonders gut schmecken
  • einen hohen Ertrag liefern

Besonders interessant sind deshalb Kräuter, Pflücksalate, Rucola, Tomaten, Beeren, Radieschen und Zucchini.

Kartoffeln sind zwar ein tolles Selbstversorgerprojekt, benötigen für einen hohen Ertrag aber deutlich mehr Fläche. Auf einem kleinen Balkon würde ich den wertvollen Platz deshalb zunächst für andere Kulturen nutzen.

Selbstversorgung auf Balkon und Terrasse

Ein Balkon kann erstaunlich produktiv sein.

Besonders geeignet sind:

  • Kräuter
  • Pflücksalat
  • Feldsalat
  • Rucola
  • Radieschen
  • Erdbeeren
  • Mangold
  • Balkontomaten
  • Paprika
  • Buschbohnen
  • Asia-Salate

Nutze dabei nicht nur die Bodenfläche. Regale, Rankhilfen, Pflanztaschen und hängende Töpfe ermöglichen vertikales Gärtnern und schaffen zusätzliche Anbaufläche.

Bei größeren Pflanzgefäßen solltest du allerdings darauf achten, welches Gewicht dein Balkon tragen darf.

Selbstversorgung mit einem Hochbeet

Ein Hochbeet ist für Anfänger besonders praktisch. Auf relativ kleiner Fläche kannst du unterschiedliche Gemüsearten miteinander kombinieren und bequem arbeiten.

Außerdem muss ein Hochbeet nach dem Sommer keineswegs leer bleiben.

Feldsalat, Spinat, Radieschen, Rucola und verschiedene Wintersalate können teilweise noch spät im Jahr angebaut werden.

In unserem neuen Guide Noch nicht zu spät: Was kann man im September noch pflanzen? findest du eine große Übersicht mit Gemüse, Kräutern und Pflanzen, die im September noch in Garten, Hochbeet und teilweise sogar auf den Balkon können.

Pflanze das, was du wirklich isst

Dieser Punkt klingt banal, spart aber unglaublich viel Arbeit.

Pflanze nicht einfach Gemüse an, weil es auf einer typischen Selbstversorger-Liste steht.

Frag dich vorher:

Was essen wir tatsächlich jede Woche?

Wenn niemand in deiner Familie Rote Bete mag, brauchst du keine zwei Reihen davon.

Wenn ihr dagegen ständig Tomaten, Kräuter und Salat esst, lohnt es sich, genau dort mehr Platz einzuplanen.

Hilfreich sind fünf Fragen:

  1. Was essen wir besonders häufig?
  2. Was ist beim Einkauf relativ teuer?
  3. Was schmeckt frisch geerntet besonders gut?
  4. Was lässt sich auf unserer Fläche anbauen?
  5. Was können wir lagern oder haltbar machen?

So entsteht nach und nach dein ganz persönlicher Selbstversorgergarten.

Mischkultur und Biodiversität mitdenken

Selbstversorgung bedeutet für uns nicht, jeden freien Quadratmeter möglichst effizient mit Nutzpflanzen vollzustellen.

Ein Garten ist gleichzeitig Lebensraum.

Hecken, heimische Pflanzen, Blühpflanzen, Totholz, wilde Ecken und Wasserstellen können Lebensräume und Nahrungsangebote für zahlreiche Tiere schaffen.

Gerade wenn du einen größeren Selbstversorgergarten planst, lohnt es sich deshalb, Ertrag und Artenvielfalt zusammenzudenken.

Warum beispielsweise Hecken für einen vielfältigen Garten so wertvoll sein können, erklären wir ausführlicher in unserem Artikel Biodiversität im Garten: Warum Hecken so wichtig sind.

Das passt auch zu unserer Vorstellung von Selbstversorgung: nicht möglichst viel aus einer Fläche herauszuholen, sondern Lebensmittel wieder näher an und mit der Natur zu produzieren.

Bio und samenfest: Welches Saatgut eignet sich?

Wenn du langfristig selbst anbauen möchtest, lohnt es sich, beim Saatgut genauer hinzuschauen.

Wir bevorzugen Bio-Saatgut und samenfeste Sorten.

Samenfest bedeutet vereinfacht, dass du von geeigneten Pflanzen selbst Saatgut gewinnen und dieses wieder aussäen kannst. Bei F1-Hybriden werden die Eigenschaften der Ausgangssorte in der nächsten Generation dagegen nicht zuverlässig erhalten.

Achte beim Kauf deshalb auf Hinweise wie:

Bio-Saatgut und samenfest bzw. sortenfest.

Für Anfänger kann ein Set aus verschiedenen unkomplizierten Gemüsesorten sinnvoll sein.

Was braucht man für den Einstieg wirklich?

Erstaunlich wenig.

Für einen kleinen Start reichen Saatgut, geeignete Erde, einige Pflanzgefäße oder ein kleines Beet, eine Gießkanne und eine Gartenschaufel.

Kauf nicht sofort ein komplettes Arsenal an Gartengeräten.

Viele Dinge merkst du erst während deines ersten Gartenjahres – und einiges lässt sich gebraucht kaufen, leihen oder improvisieren.

Was kostet der Einstieg in die Selbstversorgung?

Ein kleiner Einstieg auf Fensterbank oder Balkon ist bereits mit einigen Töpfen, Erde und Saatgut möglich. Wenn du vorhandene Gefäße weiterverwendest, können 20 bis 50 Euro für erste Versuche ausreichen.

Mit Hochbeet, größerer Menge Erde, Jungpflanzen und Gartenwerkzeugen können daraus schnell 100 bis 300 Euro werden.

Gewächshaus, Regentonnen, Kompostsystem, Obstgehölze, mehrere Hochbeete oder automatische Bewässerung erhöhen die Investition weiter.

Aber:

Du musst nicht alles im ersten Jahr anschaffen.

Ein Selbstversorgergarten darf wachsen.

Selbstversorgung hört nach der Ernte nicht auf

Irgendwann passiert etwas, das fast alle Gärtner kennen:

Zuerst wartet man sehnsüchtig auf die erste Zucchini.

Und einige Wochen später weiß man nicht mehr, wohin mit ihnen.

Dann beginnt der zweite Teil der Selbstversorgung: Vorräte anlegen.

Je nach Lebensmittel kannst du deine Ernte:

  • einfrieren
  • trocknen
  • einkochen
  • einlegen
  • fermentieren
  • zu Soßen und Suppen verarbeiten
  • als Marmelade oder Mus haltbar machen

So kannst du einen Teil deiner Sommer- und Herbsternte noch Monate später nutzen.

Dein erstes Selbstversorger-Jahr

Januar und Februar: planen, Saatgut prüfen und erste Kulturen vorziehen.

März und April: Beete vorbereiten, Hochbeete auffüllen und frühe Gemüse aussäen.

Mai: Nach den letzten stärkeren Frösten beginnt für viele wärmeliebende Pflanzen die Hauptsaison.

Juni bis August: gießen, pflegen, nachsäen und ernten.

September und Oktober: Sommerkulturen abernten, Herbstgemüse anbauen und Vorräte anlegen. Welche Pflanzen jetzt noch funktionieren, findest du in unserer September-Pflanzübersicht.

November und Dezember: Wintergemüse ernten, Garten etwas zur Ruhe kommen lassen und überlegen, was im nächsten Jahr anders werden soll.

Die häufigsten Anfängerfehler

Zu viel auf einmal: Zwanzig verschiedene Gemüsesorten klingen im Januar fantastisch. Im Juni müssen sie allerdings gegossen, gepflegt und geerntet werden.

Den Standort ignorieren: Beobachte zuerst, wie viele Stunden Sonne deine Anbaufläche tatsächlich bekommt.

Zu dicht pflanzen: Die winzigen Jungpflanzen verleiten dazu, alles eng zusammenzusetzen. Beachte trotzdem die empfohlenen Pflanzabstände.

Alles gleichzeitig aussäen: Wenn du 50 Radieschen am selben Tag säst, werden im Zweifel auch sehr viele gleichzeitig erntereif. Säe lieber in zeitlichen Abständen nach.

Nur an die Aussaat denken: Zur Selbstversorgung gehören auch Ernte, Lagerung und Verarbeitung.

5 einfache Schritte für deinen Start

Wenn du jetzt anfangen möchtest, mach es dir nicht kompliziert:

  1. Schau, wie viel Platz und Sonne du hast.
  2. Such dir fünf Lebensmittel aus, die du wirklich gerne isst.
  3. Wähle davon zwei oder drei unkomplizierte Pflanzen.
  4. Starte mit gutem Saatgut oder gesunden Jungpflanzen.
  5. Schreib dir auf, was funktioniert hat – und was nicht.

Im nächsten Jahr machst du etwas mehr.

So entsteht Erfahrung und vielleicht irgendwann ein ziemlich großer Gemüsegarten.

Fazit: Selbstversorgung beginnt nicht mit einem Bauernhof

Vielleicht ist genau das der wichtigste Gedanke:

Du musst nicht komplett autark leben, um mit Selbstversorgung anzufangen.

Du kannst mit Basilikum auf der Fensterbank beginnen. Mit einem Balkonkasten voller Salat. Mit drei Tomatenpflanzen. Mit einem Hochbeet. Oder mit einem kleinen Stück Garten.

Mit jeder Pflanze lernst du etwas darüber, wie Lebensmittel entstehen, wann sie Saison haben und wie viel Arbeit in einer einzigen Tomate oder Erdbeere steckt.

Und vielleicht verändert genau das langfristig unseren Umgang mit Lebensmitteln.

Nicht perfekt. Nicht dogmatisch.

Sondern Schritt für Schritt bewusster, saisonaler und näher an der Natur.

Häufige Fragen zur Selbstversorgung

Kann man sich mit einem kleinen Garten selbst versorgen?
Eine vollständige Selbstversorgung ist auf sehr kleiner Fläche schwierig. Du kannst aber auch in einem kleinen Garten einen Teil deiner Kräuter, Salate, Gemüse und Beeren selbst anbauen.

Kann man Selbstversorger ohne Garten sein?
Ja. Auf Balkon und Fensterbank kannst du Kräuter, Sprossen, Microgreens, Salate, Radieschen, Erdbeeren und je nach Platz sogar Tomaten und anderes Gemüse anbauen.

Welches Gemüse eignet sich für Anfänger?
Radieschen, Pflücksalat, Rucola und Mangold sind unkomplizierte Einstiegskulturen. Auch Kräuter, Tomaten, Zucchini und Erdbeeren sind beliebt.

Welches Saatgut eignet sich für Selbstversorger?
Wenn du langfristig eigenes Saatgut gewinnen möchtest, sind samenfeste Sorten interessant. Wer zusätzlich Wert auf ökologische Erzeugung legt, kann Bio-Saatgut wählen.

Was lohnt sich auf einem kleinen Balkon besonders?
Kräuter, Rucola, Pflücksalat, Radieschen und Erdbeeren benötigen relativ wenig Platz. Mit ausreichend Sonne und größeren Kübeln sind auch Tomaten interessant.