Vegan ist bunt. Vegan ist vielfältig. Vegan ist spannend, von A bis Z. Heute geht es weiter mit der Serie „The Vegan ABC“. In Zukunft werdet ihr alle 14 Tage – jeden zweiten Dienstag – über ein Thema aus der veganen Welt lesen, ob über „B-Vitamine“ bei B, „Genuss“ bei G oder „Zukunft“ bei Z. Viel Spaß!

 

The Vegan ABC – G wie… Genuss

Oder: G wie…. Gähn. Es ist Viertel vor eins in der Nacht und ich halte es unter diesen Umständen gerade für schwierig bis nahezu unmöglich, etwas Allgemeingültiges über Genuss zu schreiben (ja, ich schreibe meine Artikel immer auf den allerallerletzten Drücker… bitte nicht weitersagen!). Aber auch wenn es Tag und ich nicht müde wäre, hätte ich Schwierigkeiten, etwas so Individuelles wie das Genießen mit generellen Beschreibungen zu entzaubern. Wagen wir es trotzdem.

Genuss definieren?

Schon gestern habe bei Pasta, Pesto und Wein versucht, dem Begriff Genuss näher zu kommen – das war ungefähr so:

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Er: „Du schreibst also über Genuss beim Buchstaben G?“
Ich: „Ja. Sobald ich weiß wie ich das anfangen soll…“
Er: „Such doch erst mal nach einer Definition des Wortes.“
Ich: „Ich würd‘ mich lieber an meiner eigenen Definition versuchen…mmh… Genuss… das bewusste Wahrnehmen eines momentanen Sinnesreizes…“
Er: „Viel eher das bewusste Erfreuen an einem momentanen Sinnesreiz…“
Sie: „Das klingt schon ziemlich gut.“

Heute habe ich dann unser aller Lieblingssuchmaschine gefragt. Der Online-Duden hatte leider nichts Schlaueres parat als dass „Genuss“ von „genießen“ kommt und „genießen“ von „Genuss“, so dass ich dann doch bei Wikipedia gelandet bin, wo es heißt: „Genuss ist eine Bezeichnung für eine positive Sinnesempfindung, die mit körperlichem und/oder geistigem Wohlbehagen verbunden ist.“ Prima, da lagen wir gestern ja gar nicht so falsch.

Genuss ist individuell

Wie wir genießen und vor allem was, ist so unterschiedlich wie die Menschen selbst. Ist es der Geschmackssinn, der unsere Hingabe verlangt, oder lassen wir uns eher durch schöne Klänge verführen? Nach welchen Sinneseindrücken sehnen wir uns besonders, bei welchem Reiz von außen möchten wir dass er noch länger bleibt? Von einem Berggipfel über die stille Landschaft blicken. Avocado mit ein wenig Salz löffeln. Die Ouvertüre der Zauberflöte hören. Ein Lächeln von jemandem bekommen, den ich gern habe. Einen Kaffee in der noch frischen Morgenstunde trinken. Einen Kuss geben. Ein kleiner Auszug aus meiner persönlichen Das-genieße-ich-besonders-Liste.

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Genuss ist jetzt

Genießen verlangt Aufmerksamkeit. Ohne Bewusstsein gibt es keinen Genuss. Wenn ich nicht bei mir und meinen Sinneseindrücken bin, kann ich diese auch nicht genießen. Und bei mehreren Eindrücken zur gleichen Zeit muss ich filtern, welchem ich den Vorrang gebe. Wer sich für ein erstes Date zum Essen verabredet, muss damit rechnen, dass er eher die Anwesenheit der/des Angebeteten genießt als das was serviert wird – wer könnte sich in einer solchen Situation schon voll auf seine Geschmacksnerven konzentrieren?

Genuss ist spontan

Genuss muss nicht immer geplant sein. Wenn ich Abends, noch im Februar, unverhofft eine Amsel vor dem Fenster singen höre, es öffne, und einige Minuten mit geschlossenen Augen lausche, dann kann das ein größerer Genuss sein als das langersehnte und teuer bezahlte Konzert. Eine spontane, herzliche Begegnung mit einem Menschen kann tiefer sein als der gut geplante Besuch. Natürlich kann ich auch die Vorfreude auf ein Ereignis genießen. Mich persönlich aber haben die überraschenden Genuss-Momente bisher immer am nachhaltigsten beeindruckt und beeinflusst.

Genuss ist einfach

Zum Genießen braucht es nicht viel – im Gegenteil. Vor einigen Jahren half ich einer Freundin beim Umzug, und ich hatte ihr gemäß Brauch Brot und Salz mitgebracht. Nach einigen Stunden Schleppen, Ziehen, Bauen und Packen ließen wir uns für eine Pause nieder. Wir hatten – viele Lebensmittel waren nicht mit umgezogen – nur das Brot und das Salz, Radieschen und Pflanzenöl. Daraus schneiderten wir einen Salat, aßen das Brot mit ein wenig Öl und ich glaube, an kein einziges Mahl erinnere ich mich besser und lieber als an dieses. Heute freut es mich umso mehr, dass es eine Erinnerung an eine vegane Mahlzeit ist.

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Genuss ist gutes Gewissen

„Mit gutem Gewissen genießen“. In der Werbung begegnet uns dieser Slogan fast täglich. Ob es dabei um Bio-Tierhaltung, fettarme Produkte oder alkoholfreies Bier geht – letztlich zeigt er, dass das Gewissen beim Genießen – und gerade beim Essen – eine große Rolle spielt; und dass der Verbraucher bitteschön ein gutes Gewissen haben soll. Ein schlechtes Gewissen dagegen führt dazu, dass wir vielleicht noch bewusst wahrnehmen, aber auf keinen Fall mehr mit „geistigem Wohlbehagen“ – siehe Definition oben.

Wer kennt nicht den Ausspruch: „Auf Fleisch könnte ich nie verzichten, dazu bin ich zu sehr Genießer!“ Was natürlich impliziert, dass der gemeine Veganer ein vergrämter Asket ist, dem es ausreicht, seine ungeschälte Karotte zu knabbern. Halt! Das kann natürlich so nicht stehen bleiben. Ich finde, erst die vegane Ernährung verbindet Genuss mit gutem Gewissen – denn wir wollen wissen, was wir essen, und uns nicht durch Werbeversprechen blenden lassen. Wir lernen die Zubereitung von Lebensmitteln, das Essen und das Genießen ganz neu, fast wie Kinder, und ich staune oft immer noch über die Vielfalt, die sich mir darbietet.

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Drehen wir den Satz doch einfach um: „Produkte die von Tieren stammen könnte ich nie essen – dazu bin ich zu sehr Genießer!“