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 Im letzten Beitrag haben wir über die optimale Zubereitung von Vollkornprodukten und deren Einfluss auf unsere Gesundheit gesprochen. Heute widmen wir uns dem Thema Mineralstoffe und wie wir die Top vier der „kritischen“ Mineralstoffe bei veganer Ernährung auf ganz natürliche Weise und ohne Nahrungsergänzungsmitteln decken können.

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Viele Menschen können sich gar nicht vorstellen, dass ich meinen Eisen- und Selenbedarf auch ohne rotes Fleisch, meinen Kalziumbedarf ganz ohne einen einzigen Schluck Milch und meinen Jodbedarf gänzlich ohne den Verzehr von Fisch und natürlich ohne Supplements decken kann. Macht man sich aber die Mühe, eine Nährstofftabelle wie den Bundeslebensmittelschlüssel (BLS) genauer zu studieren, findet man eine Reihe pflanzlicher Lebensmittel, die durchaus in der Lage sind, uns mit diesen wichtigen Nährstoffen zu versorgen. Achtung sei geboten bei Nährwertangaben aus dem Internet. Diese sind in sehr vielen Fällen komplett falsch. Nährwertangaben von offizieller Seite wie der erwähnte BLS geben hier schon wesentlich aussagekräftigere Informationen her. Welche Lebensmittel dabei so voll von diesen Mineralstoffen sind, dass sie zu recht den Titel der „Fantastischen Vier“ tragen dürfen, erfährst du nachfolgend.

Wenn ich von den Fantastischen Vier spreche, meine ich damit natürlich weder die großartige deutsche Band noch die Comichelden von Marvel, sondern jene vier Lebensmittel, die alleine schon in der Lage sind, unseren täglichen Nährstoffbedarf an den jeweiligen Mineralien und Spurenelementen zu decken. Bühne frei für den ersten Helden der pflanzlichen Ernährung:

Die Milch macht’s nicht – Kalzium

Die Werbung suggeriert uns, dass Milch- und Milchprodukte ein unverzichtbarer Bestandteil unseres Speiseplans sind, damit wir starke Knochen bekommen. Auf 100 ml enthält Milch allerdings nur etwa 120 mg Kalzium. Bei einem Tagesbedarf von etwa 1000 mg müsste man täglich eine ganze Menge Milch trinken. Den gleichen Wert von 120 mg enthalten übrigens auch diverse Pflanzenmilchsorten, wenn diese mit dem Zusatz „+Kalzium“ gekennzeichnet sind. Vor allem in Bioprodukten wird hier aber nicht einfach Kalzium zugesetzt, sondern ein ganz spezielles und noch wenig bekanntes Lebensmittel namens Lithothamnium Calcareum zugegeben. Dieser auf den ersten Blick unaussprechliche Name bezeichnet eine Kalkalge, die im Meerwasser an Küsten wächst und dabei nur sehr langsam an Größe gewinnt. Die ursprünglich rote Alge wird während dem Trocknungsprozess weiß und wird gemahlen als Pulver angeboten. Sie ist dabei so sagenhaft reich an Kalzium, dass sie auf 100 g über 33.000 (!!) mg Kalzium enthält. Daher reichen bereits 3 g aus, um den kompletten Tagesbedarf zu decken. Außerdem enthält sie zusätzlich noch nicht zu verachtende Mengen an Jod, Eisen und mehr als zwei Dutzend weitere Spurenelemente. That’s what I call a Superfood!

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Weder Fisch noch Fleisch – Jod

Wirft man einen Blick auf die Ergebnisse der „Nationalen Verzehrsstudie II“, sieht man deutlich, dass die Jodversorgung der deutschen Bevölkerung mangelhaft ist. Trotz der weiten Verbreitung von jodiertem Speisesalz erreichen über ein Drittel der Deutschen nicht die Referenzwerte für Jod. Das ist problematisch, weil Jod für die Funktionsfähigkeit einer gesunden Schilddrüse sorgt und eine Unterversorgung diese aus dem Gleichgewicht bringt. Rettung kommt auch hier wieder aus dem Meer, hat aber diesmal einen leichteren Namen: Wakame. Die Wakame ist ebenfalls eine Alge, die allerdings biologisch kaum etwas mit der Lithothamnium Calcereum gemein hat. Die Salzwasseralge enthält – wie alle Meeresalgen – große Mengen an Jod, die bei unvorsichtiger Anwendung auch schnell zu einer Überversorgung mit Jod führen kann. Menschen die kulturell seit jeher große Mengen an Meerwasseralgen verzehren, sind wesentlich unempfindlicher gegen größere Jodmengen, aber hier in Deutschland wäre ich eher vorsichtig. Ich empfehle daher Wakame als Trockenprodukt zu erwerben und im Hochleistungsmixer zu streufähigem Algenpulver zu verarbeiten, um es so besser dosieren zu können. Der Jodgehalt verschiedener Wakamealgen unterscheidet sich teils erheblich, daher sollte man unbedingt auf das Etikett achten und im Zweifelsfall beim Hersteller nachfragen. Im Schnitt enhält Wakame in etwa 2000 mcg Jod auf 100 g, wodurch der Tagesbedarf von 200 mcg bereits mit 1 g Wakame gedeckt werden kann. Als echtes Superfood enthält auch diese Alge neben Jod noch eine Vielzahl weiterer Mineralstoffe und Vitamine, die jodiertem Speisesalz gänzlich fehlen. Auch viele weitere Algenarten wie Kombu, Arame und Hijiki enthalten sehr große Mengen an Jod.

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Auf Herz und Nieren geprüft – Selen

Organe wie Leber, Herz und Niere sind die bekanntesten Lieferanten von großen Selenmengen. Dass man aber nicht den Umweg über das Tier gehen muss, zeigen eine Handvoll pflanzlicher Lebensmittel, die spielend leicht den täglichen Selenbedarf von 60-70 mcg decken können. Neben dem „Fleisch“ der Kokosnuss stellen Paranüsse die einfachste und leicht verfügbarste Selenquelle dar. Sie sind so selenreich, dass bereits ein Kern (je nach Größe) mit 70-100 mcg den Tagesbedarf deckt und darüber hinaus reichlich hochwertige Fette, Proteine und in moderater Menge eine Handvoll weiterer Mineralstoffe liefert.

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Nicht vom Fleisch gefallen – Eisen

Je dunkelroter das Fleisch desto höher der Eisengehalt. Diese Tatsache hat eventuell dazu geführt, dass auch rote Bete oft als großartiger Eisenlieferant genannt wird. Ebenso werden Spinat und Kürbiskerne stets ganz oben auf die Liste der eisenhaltigsten pflanzlichen Lebensmittel gesetzt. Doch laut Bundeslebensmittelschlüssel haben Kürbiskerne lediglich 4,89 mg/100 g (nicht wie oft zitiert 12mg) und auch Spinat bringt es nur auf 3,42 mg (nicht wie oft zitiertauf pber 30 mg).1 Geschälte Hanfsamen weisen ebenfalls (je nach Sorte) beachtliche 10 mg Eisen je 100 g auf. 2 Das sind immer noch ausreichende Mengen angesichts des täglichen Eisenbedarfs von 10 mg (Männer) bzw. 15 mg (Frauen). Darin enthalten sind schon die eingerechneten“Verwertungsverluste“ durch die begrenzte Aufnahmefähigkeit von Nahrungseisen in den Körper.

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Und noch eine gute Nachricht für alle Schololadenliebhaber: Je nach Kakaonteil hat Zartbitterschokolade einen Eisengehalt von 6-12 mg per 100 g, so dass auch schon ein kleines Stückchen schnell mal ein Viertel des Tagesbedarf decken kann. Da Schokolade aufgrund des zugegebenen Zuckers, Spinat aufgrund der Oxalsäure und Kürbiskerne/Hanfsamen aufgrund des hohen Fettgehaltes nicht als alleinige Eisenlieferanten herhalten können, habe ich eine eisenhaltige Allroundbeilage entwickelt, die ich so oft es geht auf Vorrat für 2-3 Tage vorbereite und zu allen möglichen Gemüsegerichten verzehre. Eine Portion davon deckt etwa 50-75 % (je nach Quelle) des Tagesbedarfs an Eisen ab und ist dabei gut vom Körper verwertbar.

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Wenn man zusätzlich eisenreiche Lebensmittel wie Spinat, Linsen, Hirse, Haferflocken und ein kleines Zartbitterschokoladendessert zu sich nimmt, stellt auch die ausreichende Versorgung mit Eisen kein Problem dar. Das Rezept für vier Portionen lautet:

  • 160 g Amaranth
  • 400 ml Rote-Bete-Saft
  • 80 g Kürbiskerne
  • 80 g Hanfsamen (geschält)
  • 40 g frische Petersilie
  • 40 g frischer Basilikum
  • 20 ml Zitronensaft (am besten frisch gepresst)
  • Salz/Pfeffer nach belieben

Den Rote-Bete-Saft in einem Topf aufkochen, anschließend den Amaranth einstreuen und ca. 20 Minuten bei niedriger Temperatur weiter köcheln lassen. Zum Ende der Garzeit den Zitronensaft und die fein geschnittenen Kräuter hinzugeben. Durch das Vitamin C der Zitrone wird das Eisen besser aufgenommen und die Kräuter bringen zusätzlich zum Geschmack noch etwas Eisen mit. Anschließend die Herdplatte abdrehen und weitere 20 Minuten ausquellen lassen. Der Rote-Bete-Amaranth mit Kürbiskernen enthält neben reichlich Eisen auch noch jede Menge Protein und hochwertige Fette und neben dem Eisen noch eine Fülle weiterer Vitamine und Mineralstoffe.

Fazit

Viele sogenannte „kritische“ Nährstoffe einer veganen Ernährung wie Kalzium, Selen und Jod können problemlos durch eine geringe Menge von bereits einem einzigen pflanzlichen Lebensmitteln gedeckt werden. Auch Spurenelemente wie Eisen können mit etwas Know-How und Einfallsreichtum gut pflanzlich abgedeckt werden. Auch die oftmals schlechtgeredete Bioverfügbarkeit von pflanzlichem Eisen ist im Vergleich zu Eisen aus tierischen Lebensmittel nicht so tragisch, wie manche uns glauben machen wollen. Durch die Zugabe von vitamin- C-haltigen Lebensmitteln wie Zitronen, Orangen oder Paprika können wir die Verfügbarkeit von Eisen zusätzlich erhöhen. Wenn wir darüber hinaus noch aufnahmehemmende Stoffe wie Tee und Kaffee nicht zeitgleich zur Mahlzeit trinken, steht der optimalen Eisenversorgung nichts mehr im Weg.