Nun lebe ich seit 3,5 Jahren in Dänemark, spreche inzwischen sogar einigermaßen fließend die gemurkste Landessprache und habe mich in den letzten 3 Monaten dort vegan ernährt. Zuvor habe ich übermäßig vegetarisch gelebt, aber nicht unbedingt, weil ich ethische Gründe dafür hatte, sondern aus gesundheitlichen Vorlieben. Nun, da ich Informationen in mich aufgesaugt habe, bis sie mir fast wieder aus den Ohren heraus kamen, fasste ich den Entschluss, mich vegan zu ernähren. Für mich ist die Massentierhaltung der hauptsächliche Grund hinter dieser Entscheidung und der umweltpolitische Aspekt auch. Mit der Zeit kam aber hinzu, dass ich mich generell viel gesünder und ausgewogener ernähren wollte, was zu meinem eher sportlichen Lebensstil gut passte. In letzter Zeit jedoch, fühle ich mich als hätte ich die Büchse der Pandora geöffnet: Je mehr ich weiß, desto kritischer werde ich, desto mehr entdecke ich, wo auf der Welt überall Ungerechtigkeit herrscht und vor allem, wie ich als Konsument, jeden Tag in jeglicher Form dazu beitrage, entweder durch essen, trinken, Kaufentscheidungen oder andere Entscheidungen.

Warum es für mich diesen negativen Hauch hat? Weil es mich manchmal regelrecht nervt, dass ich bei quasi allem was aussetzen könnte, dass diese Wurst, nämlich kein Ende hat (gerne auch Tofuwurst). Ich gebe zu, dass vegan-sein nicht immer einfach ist und durchaus manchmal Verzicht bedeutet. Man muss dann schon ab und zu mit sich ringen, wenn „die Lust auf etwas“ verdrängt werden muss, weil dieses „etwas“ nicht vegan ist. Und ja, manchmal nervt es mich. Aber gut, dann kommt die andere Seite der Medaille: Ich habe in 2 Monaten 5kg verloren und fühle mich generell viel, viel wohler. Nicht nur, weil ich vegan esse, sondern, weil ich meinen Horizont so erweitert habe. Wer dazu mehr lesen möchte, kann dies auf meinem Blog  tun. Gut, aber wieso jetzt dieser negative Hauch? Ich lebe in Dänemark, eines der kleinsten Länder der Welt, die Auswahl an veganen „Luxus“-Produkten ist hier rar, ein Gang durch den durchschnittlichen Supermarkt, wird es euch beweisen, dass vegane Ernährungsform in Dänemark nicht grad ein Zuckerschlecken ist:

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Käse?

Veganer Käse? Nee, Fehlanzeige. Hier im Regal gibt es hunderte Käsesorten, aber für den kleinen, dänischen (seltenen) Veganer ist da nichts dabei. Und auch keine Hefeflocken zum Überbacken. ‚Macht ja nix, gibt ja sicherlich noch Alternativen‘. Es wird also weiter gegangen im Supermarkt.

Pflanzenaufstriche?

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Marmeladen, Schokoaufstrich, ….oh und das war es nun auch schon wieder, mehr Aufstriche gibt es hier nicht. Rapunzel Bärlauch? Senf-Rucola? Nein, nicht hier bei uns. Gut, dann wird’s ja vielleicht was leckeres in der Bio-Abteilung geben. Hmm…bio Produkte gibt es schon ein paar. Aber vegan? Nee, wozu denn? Dafür Fairtrade, na immerhin etwas.

Pflanzendrinks und Joghurt?

Das Getränkeregal hat zwei Sorten Sojamilch. Die mit Calcium und eine mit Vanille. Wenn man Glück hat, gibt’s auch Hafer -oder Reismilch. Das muss auch reichen. Magst du gerne Joghurt? Das trifft sich nur halb gut: Es gibt Alpro Soja Joghurt „Natur“ oder „Blaubeere“. Mehr vegane Joghurts sind nicht dabei. Dafür aber Soja Cuisine. Und das freut mich dann schon. Ab und zu, wenn es eine besondere Woche ist, gibt es Soja, eingelegt im Glas. Für ca. 3-4 Euro. Aber auch darüber freu ich mich dann.

Und jetzt?

Dann kam ich also letzten Montag in die Heimat: Deutschland. Beim ersten Einkauf bei Rewe war ich total geflasht. Ich habe stundentlang (!) im Supermarkt vor den Regalen gestanden und bestaunt, was für eine Produktvielfalt herrscht. Für mich war das ein Schlaraffenland. Alleine die 8 verschiedenen Sojamilchsorten von Alpro, haben mich total aus den Socken gehauen. Der Gipfel war für mich ein Besuch im örtlichen Bioladen. Dort wollte ich wirklich einziehen. Von veganem Eis, über vegane Mortadella (hab ich noch nie gefuttert sowas) bis hin zur Reisschokolade. Es gab so, so viele Produkte. Ich konnte mich kaum satt sehen oder gar entscheiden. Dann war ich bei DM und hab mich mit Alverde Produkten eingedeckt: Die sind nicht nur günstig sondern auch vegan. Hier gibt es so viele Möglichkeiten, da frag ich mich glatt, wieso in Deutschland nicht viel mehr Veganer leben. Denn dann würden ja NOCH mehr vegane Produkte in die Supermärkte wandern. Nun frage ich mich, wie gut muss Berlin sein? Mit all den veganen Cafés, Restaurants und sogar ein veganer Supermarkt. Man hört aus Berlin die reinsten veganen Abenteuerlichkeiten. Ist das Luxus? Das ist einfach unglaublich cool. Ich plädiere hiermit für zufriedenere, deutsche Veganer.