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Wie im Voraus angekündigt werden wir den Gewinn, den wir durch unser gemeinsames Buch „Ab heute vegan“ erwirtschaften, komplett spenden. Anfang 2014 haben wir den ersten Kassensturz für das erste halbe Jahr seit Erscheinungstermin gemacht und je Autor ist nach Abzug der Kosten ein kleiner dreistelliger Betrag zusammengekommen. Nach und nach werden wir hier vorstellen, wo das Geld hingegangen ist. Ich darf den Anfang machen. Ich bin selbst seit 2011 Gut Aiderbichl-Patin, u.a. unterstütze ich das Affen-Refugium in Gänserndorf, wo 36 ehemalige Laborschimpansen leben. Mein Buch-Anteil floss dorthin und ich bin sehr stolz, diese wundervolle Einrichtung heute am Tag des Versuchstiers vorzustellen, denn ich war vor Ort bei den Schimpansen und konnte mich davon überzeugen, was dort alles für die Tiere getan wird.

Das Gut Aiderbichl kennt wahrscheinlich fast jeder. Dort werden Tiere in Not aufgenommen wie z.B. die Kuh Yvonne, die im Jahr 2011 bei ihrem Bauern ausgebüchst ist und sich wochenlang versteckt hielt. Eigentlich sollte sie gemästet und geschlachtet werden, doch Tierschützer kauften sie nach ihrer medienwirksamen Flucht dem Bauern ab und nun fristet sie ihren Lebensabend auf Gut Aiderbichl. Als letztes Jahr Deutschland vom Hochwasser heimgesucht wurde, hatten nicht nur Menschen darunter zu leiden. Viele, viele Tiere sind im letzten Jahr umgekommen und das Gut Aiderbichl hat mit Hochdruck versucht, so viele von ihnen wie möglich zu retten. In Deggendorf beispielsweise mussten 99 Rinder durch den Gnadenschuss getötet werden, weil sie ansonsten qualvoll ertrunken wären. Ein Stier konnte vorher vor dem Wasser fliehen und man hat ihn gerettet. Auch er ist heute im Gut Aiderbichl untergebracht, sein Name ist Egon.

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Die Organisation rund um Michael Aufhauser leistet wirklich viel für unsere zwei- und vierbeinigen nichtmenschlichen Freunde. Über die Standorte Henndorf und Iffeldorf hat unsere Claudi mal berichtet und auch über die von der Flutkatastrophe bedrohten Tiere.

Aber man kümmert sich nicht nur um Kühe, Schweine Ziegen usw., sondern seit 2009 befinden sich auch ehemalige Laborschimpansen in der Obhut des Gut Aiderbichl. Die Primaten leben in Gänserndorf in Österreich in kleinen Gruppen zusammen und die größte der Gruppen (die sogenannte 10er-Gruppe) durfte 2011 ein wunderbares Außengehege beziehen, die Außengehege für die restlichen Gruppen wurden 2012 geöffnet. Auf RTL habe ich 2011 einen kurzen Bericht über das Affen-Refugium gesehen und eine Video-Aufnahme von dem Moment, wo die Schimpansen zum ersten Mal seit über 30 Jahren nach draußen gehen. Dieser Bericht hat mich dermaßen zu Tränen gerührt (und ich muss immernoch jedes Mal weinen, wenn ich mir das Video anschaue), dass in mir der Wunsch entstand, das Gut Aiderbichl finanziell zu unterstützen und vor allem diese tolle Einrichtung.

Seitdem bin ich Aiderbichlerin und Pate für die Schweine. Zusätzlich bin ich Förderer des Affen-Refugiums und Pate der Schimpansin Dorli. Ich habe mich speziell für sie entschieden, weil sie so alt ist wie ich und ich mich darum am besten in sie hineinversetzen kann. Dorli ist wie ich im Jahr 1978 geboren. Sie wurde in der Wildnis eingefangen (kurz bevor ich in den Kindergarten kam) und kam daraufhin in den Tierversuch. Dort war sie bis 1997, das Jahr, in dem ich Abitur gemacht habe. Das ist eine schrecklich lange Zeit, in der sie einzeln in einem kleinen Käfig gehalten wurde und in der an ihr experimentiert wurde. So eine Patenschaft ist aber natürlich nur symbolisch, man unterstützt damit die komplette Einrichtung. Und die finde ich sogar sehr unterstützenswert.

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Als Plus-Pate darf man einmal im Jahr zu bestimmten Terminen mit Voranmeldung das Affen-Refugium in Gänserndorf besichtigen. Ab diesem Jahr kann man die Schimpansen sogar wöchentlich besuchen, beim ersten Termin 2014 war ich mit dabei. Und ich habe selten etwas so Beeindruckendes erlebt. Aktuell leben noch 36 Schimpansen dort. Sie alle haben über 30 Jahre lang keine Sonne gesehen, kein Gras unter ihren Füßen gespürt und sie hatten keinen Kontakt zu Artgenossen. Menschen begegneten ihnen in Schutzanzügen und haben ihnen nichts als Schmerzen hinzugefügt. Einige Tiere sind in Gefangenschaft geboren und kennen die Freiheit gar nicht. Diejenigen unter ihnen, die wild gefangen worden sind, mussten mitansehen, wie ihre Familien getötet wurden und sie selbst wurden ins Versuchslabor gesteckt. Johannes beispielsweise landete als Baby im Tierversuch, wo man feststellte, dass er eigentlich noch viel zu klein war. Also kam er erstmal für ein Jahr zu einer menschlichen Pflegemutter. Danach wurde er abgeholt. Alleine der Gedanke daran erregt bei mir absoluten Ekel. Wer tut so etwas? Und wer kann sich ein Jahr lang um ein Lebewesen kümmern in dem Bewusstsein, dass es danach ein Leben voller Leid ertragen muss? Er hat mehrfach versucht sich selbst zu verletzen und auch heute hat er noch an den Erlebnissen zu knabbern. Er liebt das Außengehege, kann aber immernoch nicht klettern. Er ist nicht der einzige, auch andere Schimpansen wie z.B. Carmen haben mit dem Klettern Probleme. Für diese Tiere gibt es extra Leitern, damit sie sich auch vertikal bewegen können.

Einige der Schimpansen waren uns gegenüber sehr offen, kamen an die Scheibe und haben versucht mit uns zu interagieren, haben uns beobachtet (Carmen), an die Scheibe geklopft (Xsara) und Bussi auf das Panzerglas gedrückt (Gogo und Johannes). Wieder andere saßen ängstlich und zurückgezogen in einem Eck und haben sehr verstört gewirkt (wie z.B. Blacky). Xsara ist die Aufgeweckteste in ihrer Gruppe, dennoch war sie noch kein einziges Mal im Außengehege. Vielleicht liegt es daran, dass sie in Gefangenschaft geboren wurde? Sie sitzt lieber bei drinnen bei ihrer Freundin Lingoa, die auf einem Auge blind ist. Dafür beschützt die alte Dame sie, wenn die anderen sie angreifen wollen. Ja, nicht alle verstehen sich. Darum wird täglich Protokoll geführt, wie die Affen sich verhalten. Wenn es notwendig wird, müssen evtl. Gruppen neu zusammengesetzt werden. Zwischen einigen gibt es aber auch echte Freundschaften wie z.B. zwischen Deniese und Peter. Peter tut sich mit seinen Artgenossen schwer, darum hat er seinen eigenen Bereich. Er versteht sich lediglich mit Deniese, die an jedem 2. Tag zu ihm gesetzt wird. An den übrigen Tagen ist sie bei ihrer Gruppe. Dorli und Pumuckl gehen morgens immer gemeinsam nach draußen, um zusammen ihr Frühstück an der frischen Luft zu genießen. Schimpansen sind einzigartige Individuen, genau wie andere Tiere auch (jeder, der mehr als ein Haustier hat, wird das bestätigen können) und daher sollte man ihnen das gleiche Recht auf Leben und Unversehrtheit zugestehen wie auch uns Menschen.

Die Schimpansen mussten alles wieder neu lernen, das Geräusch von raschelnden Bäumen, der Geruch von Pflanzen, das Zusammenleben mit Artgenossen. Sie sind schwer traumatisiert, doch nach einigen Jahren im Gut Aiderbichl kommen sie langsam zur Ruhe und haben die traumatischen Erlebnisse teilweise verarbeitet. Die Pflegerinnen berichten, dass sie schon viel entspannter sind als noch vor ein paar Jahren, einen großen Anteil daran hat auf jeden Fall das Außengehege. Sie haben nun viel mehr Bewegungsfreiheit und auch wenn diese Gehege niemals die Freiheit ersetzen können, so können sie jetzt endlich einigermaßen ihr Leben genießen. Ein Auswildern ist für sie leider absolut unmöglich, da die Wildnis ihnen vollkommen fremd ist. Ohne das Gut Aiderbichl wären sie wahrscheinlich gar nicht mehr am Leben.

Einige von ihnen sind infiziert, z.B. mit HIV, HPV oder Hepatitis. „Meine“ Dorli z.B. hat Hepatits C. Aus diesem Grund, aber auch, weil die Schimpansen stark traumatisiert sind und man nie weiß, wie sie sich evtl. verhalten, besteht zum Schutz der Pflegerinnen und Pfleger kein direkter physischer Kontakt zwischen Mensch und Tier. Sie befinden sich hinter doppeltem Panzerglas. Besonders schwierig ist das, wenn mal einer der Affen krank wird. Weil die Tiere jahrelang mit allen möglichen Stoffen vollgepumpt worden sind, ist es kompliziert sie zu behandeln. Eine Betäubung ist praktisch nicht möglich, weil Betäubungsmittel nicht richtig wirken. Ein Team aus Humanmedizinern und Tierärzten betreut die Primaten. Die Schimpansin Bonnie hat z.B. Diabetes, aber man hat sie soweit trainiert, dass sie morgens auf ein Auffangtuch uriniert, damit man den Glukosewert messen kann. Sie muss auch Insulin gespritzt bekommen, was sie sich geduldig gefallen lässt, trotz allem, was man ihr jahrelang angetan hat. Die Experimente sind nicht spurlos an den Aiderbichlern vorübergegangen. Liest man die Einzelschicksale, bricht es einem förmlich das Herz.

Die Plus-Patenschaft als Aiderbichler kostet 180,00 € im Jahr, das klingt erstmal viel, im Monat sind das allerdings nur noch 15,00 € – und man kann die Spende von der Steuer absetzen. Außerdem besteht die Möglichkeit, sich so eine Patenschaft auch schenken lassen. Ich bekomme z.B. seit 3 Jahren von meinem Mann die Patenschaft als Weihnachtsgeschenk von meinem Mann, was ich schöner finde als alle Geschenke dieser Welt. Eine „normale Patenschaft“ ist schon ab 10,00 € im Monat möglich. Als Pate kann man an 365 Tagen im Jahr jedes Gut Aiderbichl (außer Gänserndorf) mit bis zu 4 Begleitpersonen kostenlos besuchen (natürlich gibt es vor Ort auch vegane Verpflegung). Außerdem wird man zu speziellen Paten-Treffen eingeladen und erhält 3-mal im Jahr das Magazin. Als Plus-Pate hat man wie gesagt auch noch die Gelegenheit, die Schimpansen aus nächster Nähe zu erleben. Die ganze Geschichte der Aiderbichl-Schimpansen kann man in diesem kostenlosen pdf nachlesen.

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Zum Schluss möchte ich noch kurz darauf eingehen, dass das Gut Aiderbichl nicht von allen Tierschützern oder Tierrechtlern so positiv gesehen wird wie von mir. Die Kritik besteht darin, dass man Herrn Aufhauser Tiertourismus vorwirft und die Tiere eben auch ein Stück weit instrumentalisiert werden, um Spenden zu sammeln. Einzelne Tiergeschichten werden medienwirksam verbreitet, um das Mitleid der Menschen anzusprechen, auch der Bekanntheitsgrad von einigen Promis wird genutzt. Aber ohne finanzielle Unterstützung von Paten und Förderen könnte so eine Institution sich nunmal nicht halten. Und was passiert dann mit den Tieren? Auf der Homepage des Gut Aiderbichl kann man auch etwas über die Philosophie nachlesen: „Aber vom Jammertal zum Paradies ist es nicht nur ein einziger Schritt“ […] Maximalforderungen können das Ziel sein, aber nicht der Weg.“ Es hilft nichts, den würdelosen Umgang mit Tieren anzuklagen, es müssen praktische Lösungsvorschläge her. Ein Gnadenhof ist eine wundervolle Zwischenlösung, um vielen Tieren heute zu helfen. Das Gut Aiderbichl sieht sich auch als „ein Mahnmal für die Rechte der Tiere“. Je mehr Leute durch einen Bericht über das Gut Aiderbichl oder ein Besuch desselben erkennen, dass Tiere empfindsame Wesen sind und wir nicht das Recht haben, sie zu quälen, auszubeuten und/oder zu töten, desto besser. Doch das geschieht nicht von heute auf morgen. Ich bin Michael Aufhauser und all seinen Mitarbeitern unendlich dankbar.

Gut Aiderbichl
www.gut-aiderbichl.de
Pate werden:
www.gut-aiderbichl.de/page.ph.php
Spenden:
www.gut-aiderbichl.de/page.donate.php
 

Übrigens: auch, wenn es offiziell nicht mehr erlaubt ist, Schimpansen für Tierversuche einzufangen – es betrifft auch andere Spezies wie z.B. Mäuse, Ratten, aber auch Katzen und Hunde. Alleine im Jahr 2012 wurden in Deutschland mehr als 3 Mio. Versuchstiere „verbraucht“. Wer sich mehr für die Hintergründe von Tierversuchen interessiert, dem sei die Homepage von Ärzte gegen Tierversuche ans Herz gelegt. Dort finden sich reichlich Informationen und im Shop kann man auch Bücher erstehen, die sich mit dem Thema beschäftigen und außerdem auch Flyer und Broschüren. U.a. gibt es da eine Liste mit Medikamenten, welche im Tierversuch als unbedenklich für den Menschen erschienen, aber wegen schwerer Risiken und Nebenwirkungen wieder vom Markt genommen werden mussten (bekanntes Beispiel: Contergan). Ein eindeutiger Beleg dafür, dass Ergebnisse aus Tierversuche nicht unbedingt auf den Menschen übertragbar sind. Tierversuche sind grausam und unnötig!

Mehr Infos zu meinem Besuch dort und so man in Gänserndorf und Wien gut vegan essen kann, kann man in meinem Reisebericht auf meinem Blog  nachlesen.