Warum wir Hunde lieben, Schweine essen und Kühe anziehen“ von Melanie Joy ist vor einigen Wochen im Compassion Media Verlag in deutscher Fassung erschienen und ein äußerst lesenswertes Buch. Kaum jemand wird den Ausdruck „Karnismus“ in den Wochen vor und nach dem Erscheinen des Buches überlesen haben. Karnismus bezeichnet ein System von Überzeugungen, dass uns Menschen dazu verleitet zu entscheiden, welche Tiere wir essen, und welche nicht. Nun ist das sogar kulturell auch noch ganz unterschiedlich: Der Großteil der deutschen Bevölkerung dürfte es gar pervers finden, wenn man einen gegrillten Hund servieren würde, während in China Restaurants auf Hundefleisch spezialisiert sind.

Der allgegenwärtige Karnismus

Karnismus begegnet uns jeden Tag. Hunde, Katzen, Pferde, Meerschweinchen oder Hasen – alles Tiere, zu denen wir eine besondere Beziehung pflegen, weil sie uns als Haus- oder Hoftier Gesellschaft leisten. Wahre Freunde sind sie für viele Menschen, und die Trauer über den Tod des Gefährten wiegt ebenso schwer wie die eines menschlichen Familienmitglieds. Die gleichen Menschen, die bei Facebook den Tod ihres Hundes beweinen und unterstützende Kommentare von ihren Freunden erhalten („Sei jetzt stark!“), beißen aber völlig unbekümmert in ein Stück Schwein, Huhn, oder Rind. Während wir unseren Haustieren nicht nur Liebe zu uns, sondern auch richtige Persönlichkeitsmerkmale unterstellen („Der Rex ist total wählerisch…freut sich am meisten wenn xy vorbeikommt…guckt mich immer so traurig an, wenn ich arbeiten gehe etc.), sind eben genannten anderen Tiere lediglich Produkte, die auf den Teller kommen.

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Freund oder Essen?

Warum eigentlich? Schweine sind mindestens ebenso schlau wie Hunde, und Kühe haben ein ausgeprägtes und komplexes Sozialverhalten. Sie alle fühlen Schmerzen, wollen leben, ihren Instinkten nachgehen. Wie sehr rührt uns doch der Anblick eines Kälbchens, das noch ganz wackelig auf den Beinen steht. Dass genau dieses Kalb seiner Mutter kurz nach der Geburt entrissen wurde und sein kurzes Leben angekettet in einer kleinen Plastikbox verbringt, bevor es nach wenigen Wochen bereits wieder aus dem Leben gerissen wird, um als Wiener Schnitzel zu enden – all das blenden „wir“ aus. Wir bauen intensive freundschaftliche Beziehungen zu unseren Haustieren auf – und verzehren ohne mit der Wimper zu zucken genüsslich andere Tiere, die nicht weniger ein Anrecht darauf gehabt hätten, zu leben. Wir geben unser letztes Hemd für die Operation unseres treuen Begleiters, die Styroporpackung mit Fleisch aus dem Supermarkt soll aber bitte schön billig sein, auch wenn das Tier dafür sein viel zu kurzes Leben unter viel zu grausamen Umständen leben musste.

Ihr seht, dieser weit verbreitete Karnismus macht mich wütend. Ja, das tut er. Denn niemand hat das Recht zu entscheiden, wer getötet und gegessen werden darf – und wer nicht. Alle Tiere sind gleich, doch manche Tiere sind gleicher. Oder leckerer. Oder was auch immer.

Eine kleine Anekdote soll diese Buchrezension, die eigentlich keine ist, noch abrunden: Vor ca. 25 Jahren aßen wir zu Mittag, es gab Hähnchen. Meine jüngere Schwester biss genüsslich in einen Schenkel, als ich ihr erklärte, dass dies übrigens gerade das Bein ihres Zwergkaninchens Monty sei. Sie hat es ausgespuckt und nie wieder Fleisch gegessen.

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Lest dieses höchst interessante Buch. Danke.

Melanie Joy – Warum wir Hunde lieben, Schweine essen und Kühe anziehen. Erschienen bei Compassion Media. Kaufen könnt ihr es dort oder hier bei Buch. de.